Alexander Fünck
 
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Auf frischer Tat beim Schwarzfahren

„Achtung! Schwarzfahren erhöht ihren Adrenalinspiegel!“ Jeder von uns kennt diese oder ähnliche Aufkleber in Bus oder Bim. Wir haben uns für Euch als „Schwarzfahrer“ auf den Weg gemacht, um auch einmal auf verbotenen Pfaden zu wandeln. Nach einigen Stationen, wir stiegen am Geidorfplatz ein, ertappte uns dann auch eine Kontrolle auf „frischer Tat“ beim Schwarzfahren. Natürlich hatten wir vorerst weder eine gültige Fahrkarte, noch einen Personalausweis zur Hand. Nur die gängigsten, zuvor im Internet recherchierten Schwarzfahren-Ausreden hatten wir ausreichend im Gepäck.

„Guten Tag, Fahrscheinkontrolle!“ Nichts wirkt auf einen passionierten Schwarzfahrer pulsbeschleunigender als diese drei magischen Worte. Und so bekamen auch wir rasch eine gesunde Gesichtsfarbe. Die beiden freundlichen Damen der Firma Securitas waren unauffällig an der Haltestelle Maiffredygasse bei der letzten Türe zugestiegen. Letzte Türe – ob da schon System dahinter steckt, fragen wir uns? Ein älterer Herr dürfte beim morgendlichen Horoskop lesen bereits über die Fahrscheinkontrolle informiert worden sein, rasch hat er den richtigen Ausweis zur Hand und blickt dabei weiterhin gelangweilt aus dem Fenster. Zwei jüngere Mädchen zücken anschließend unter leicht verlegenem Gelächter ihre Tickets. Anscheinend alles korrekt, die Beiden kommen immer näher… Der Bus der Linie 31 in dem wir uns befinden, fährt gerade in die Haltestelle Kaiser-Josef-Platz ein, als das Duo bei uns hält.

„Guten Tag, dürfen wir auch Ihren Fahrschein sehen?“ Wir haben sie natürlich bemerkt, aber wir ignorieren sie – wie wir meinen – gekonnt. Aus dem Augenwinkel bemerken wir, dass die beiden sich ansehen. „Fahrscheinkontrolle, ihr Ticket bitte!“ Verlegen drehen wir uns um. „Wir haben leider keine Fahrscheine mehr, weil unser Hund die in der Früh gefressen hat!“ Die Beiden verziehen keine Miene, das hören sie anscheinend öfter. „Und warum haben Sie sich dann beim Einsteigen keinen Fahrschein gekauft?“ „Vergessen“ glucksen wir verlegen.

schwarzfahren taschen leer

„Das ist aber nicht gut, Sie brauchen einen gültigen Fahrausweis, in diesem Fall müssen wir leider 65 € Mehrgebühr verrechnen!“ Eine Mehrgebühr wird durch den entstehenden Mehraufwand verrechnet und ist durch die Beförderungsbedingungen geregelt. Da wir uns natürlich weigern das Geforderte zu bezahlen, wird von uns ein gültiger Lichtbildausweis verlangt. Klarerweise müssen wir auch das verneinen. Wenn sich SchwarzfahrerInnen nicht ausweisen können, wird mit einer Plausibilitätskontrolle über die Handynummer oder diverse Karten die Identität überprüft. Auch damit können wir nicht dienen… „Dann bleibt uns leider nichts anderes übrig als die Exekutive zur Feststellung der Identität hinzuzuziehen, steigen Sie mit uns bitte hier am Jakominiplatz aus!“ Wir weigern uns und gehen aufs Ganze. „Wir bleiben im Bus, wir müssen ja unser Ziel erreichen!“ „Schauen Sie, Sie haben weder einen gültigen Fahrschein, noch das nötige Geld für die Mehrgebühr und ausweisen können Sie sich auch nicht, da bleibt uns leider nichts anderes übrig!“

schwarzfahren ausweis

Für den Fall dass wir einen Ausweis vorzeigen hätten können, wäre uns ein Erlagschein ausgestellt und weitere Peinlichkeit erspart geblieben. „Und wenn wir uns jetzt rasch einen Fahrschein kaufen?“ Die beiden bleiben freundlich und lächeln milde, müssen jedoch mit dem Hinweis auf „Erschleichen einer Dienstleistung“ verneinen. Schwarzfahren haben wir uns einfacher vorgestellt. Um die Angelegenheit nicht noch mehr zu strapazieren, geben wir uns dann doch zu erkennen, erklären alles und zeigen auch die gültigen Fahrkarten her. Die Beiden scheinen erleichtert. „Für uns ist jeder gültige Fahrschein ein kleiner Grund zur Freude, man erspart sich dann so einiges“, erfahren wir. Immerhin gäbe es bei rund 700.000 Überprüfungen pro Jahr rund 35.000 ertappte SchwarzfahrerInnen.

Nachdem wir die Situation geklärt haben, gönnen wir uns einen Kaffee am Jakominiplatz und verabschieden uns anschließend. Kein leichter Job, denken wir uns auf der Rückfahrt in die Redaktion. Diesmal mit gültigem Ticket und wesentlich entspannter.

Nähere Infos dazu:

Fotos: Alexander Fünck / Holding Graz

 


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