Kevin Griebaum
 
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Bau mir die Holding Graz aus LEGO

Tim wartet bei der Haltestelle auf die Straßenbahn. Neben ihm stehen noch 15 andere. Vier weitere stehen sogar auf der Haltestelle. Dann, endlich, kommt die Straßenbahn. Linie 5 nach Andritz, die einzige Linie, die es gibt. Tim versucht einzusteigen, aber die Türen öffnen sich nicht. Die Straßenbahn fährt wieder davon. Aber Tim ist das egal, denn er ist, wie der Rest seiner Welt, komplett aus LEGO.

Das Mastermind hinter dieser Szene heißt Stefan Königshofer. Er ist seit sieben Jahren Buslenker bei den Holding Graz Linien und hat ein ungewöhnliches Hobby. Er baut gerne LEGO. Aber nicht mit Anleitung, das kann ja jeder. Stefan baut stattdessen komplexe Modelle seines Arbeitsplatzes: Gelenkbusse, Variobahnen oder das Rondeau am Jakominiplatz.

holding graz linien lego stefan königshofer bus bim strassenbahn haltestelle winterdienst (4)Stein auf Stein

“Ich hab als Kind schon viel LEGO gebaut”, lacht der sympathische 29-jährige. “Mein großer Bruder hat immer damit gespielt und das hat mich einfach fasziniert.” Heute braucht Stefan keine Anleitung mehr, um komplizierte Modelle zu bauen – nur Zeit; und einen Raum. Als wir ihn zuhause besuchen, führt er uns in sein selbst erbautes Reich: seinen LEGO-Raum.

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Hier zieren Super Mario Figuren die Wände. Sie sind aber nicht gemalt oder als Wandtattoo geklebt, sie sind selbstverständlich aus LEGO nachgebaut. In ewig vielen Schubladen sind LEGO-Steine nach Größe, Farbe und Nutzen sortiert. “Geordnetes Chaos”, nennt es Stefan und ist sich sicher, dass sich hier niemand außer ihm selbst zurecht finden würde. Wir teilen diese Meinung übrigens.

holding graz linien lego stefan königshofer bus bim strassenbahn haltestelle winterdienst (6)Und natürlich: das Showcase-Regal. Hier stehen riesige Autos, LKWs, Trucks, sogar ein halb-fertiger Kopf von Milhouse aus den Simpsons. Auf dem Arbeitstisch darunter hat er für uns schon die Objekte der Begierde vorbereitet: Eine Variobahn, einen Gelenkbus, eine Haltestelle und das Rondeau am Jakominiplatz.

Wer kein LEGO-Noob und mit den aktuellen Marktpreisen für Plastiksteine vertraut ist, weiß, dass dieses Hobby weder besonders zeit- noch geldsparend ist. “Die Steine im Gelenkbus hab’ ich mal abgezählt, da sind 858 verbaut, in der Variobahn sind es etwa 1.000”, sagt Stefan ganz beiläufig. Aha, und wie lang sitzt man jetzt an so einem Ding? “So an die 50 Stunden.” Kein großes Ding, eh klar.

Detailverliebtheit²

holding graz linien lego stefan königshofer bus bim strassenbahn haltestelle winterdienst (5)Ganz ehrlich: Stefans Modelle sind wahrhaftig beeindruckend. Die Details und die Selbstkritik, mit der er seine Projekte angeht, gleichen einer Weltmeisterschaft. “Nach einer Anleitung nachbauen mag ich nicht. Ich setze mich einfach hin, beginne zu bauen und am Ende kommt vielleicht etwas ganz anderes raus, als ursprünglich geplant.” Kleines Beispiel: Aus der Grundidee, die Schloßbergbahn nachzubauen, ist dann schlussendlich doch das Rondeau am Jakominiplatz geworden. In einem Sitz baut aber auch Stefan solche großen Dinge nicht. Etwa fünf bis zehn Stunden pro Woche gehen dann aber doch vom Freizeit- aufs Hobby-Zeitkonto.

holding graz linien lego stefan königshofer bus bim strassenbahn haltestelle winterdienst“Oft bemerke ich erst gegen Schluss, dass das von den Proportionen doch nicht stimmt. Der Innenraum ist zu klein, der Boden zu schmal, die Reifen wirken zu klein, es passt einfach nicht. Also muss ich alles nochmal zerlegen und ein oder zwei Steine größer bauen.” Wo manch anderer in einem Anfall von Frust bereits die Steine über den gesamten Raum verteilt hätte, bleibt Stefan aber ruhig. Es ist schließlich sein Hobby. Und was nicht perfekt ist, ist auch nicht würdig. “Oft stecke ich fest und weiß nicht, wie ich hier weiter bauen soll. Das Gelenk beim Gelenkbus hat mich zum Beispiel lange beschäftigt, da hab’ ich viel tüfteln müssen. Dann wache ich manchmal in der Nacht auf und habe einen Geistesblitz.” Das, meine Damen und Herren, nennt man Hingabe.

Wie der Fan in Fanatismus kommt

Um an all die speziellen Steine zu kommen, muss Stefan natürlich viel LEGOkaufen. Bei ihm kommen aber keine “gewöhnlichen” LEGOSchachteln aus dem Spielwarenladen in den Warenkorb. Er kauft ganze LEGO-Sammlungen von privaten Verkäufern. “Dann sitze ich schonmal zwei Wochen und sortiere nur” – der nervige Teil dieses Hobbys. Einzelne Steine muss er auch in Deutschland bestellen – unter anderen die Grünen für die Busse der Holding Graz Linien. “Die Grünen zählen zu den seltenen, daher sind sie leider relativ teuer.”

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Natürlich gibt es auch hier, wie könnte es auch anders sein, die Kultisten. Die in LEGO kein Spielzeug mehr sehen, sondern echte, harte Arbeit. Eine solche LEGO-Gruppe gibt es auch in Leibnitz, die auch immer wieder Ausstellungen ihrer beeindrucken Werke veranstalten. Und es gibt die Ausgestoßenen: die, die sich die Steine zurechtschneiden und/oder ihre Modelle kleben. “Es ist verpöhnt, weil, wenn ich anfange die Steine zu zerschneiden und mir selbst so zu modellieren, wie ich sie brauche… dann kann ich ja gleich was mit Holz machen.” Das klingt dann auch irgendwie einleuchtend.

Probieren geht über studieren!

Genug der Worte, jetzt wird geklotzt! Wir fordern Stefan zum Wettbauen. Ein Schneepflug soll es werden. “Kein Problem”, heißt es nur. Und tatsächlich dauert es keine zehn Minuten, bis er aus verschiedenen Schubladen die richtigen Teile gefischt hat und sie im Kopf bereits zusammen gebaut hat. Naja, fast. Ein bisschen Probieren ist schon dabei. Aber das Endergebnis kann sich echt sehen lassen: Ein Szenario, wie es im tatsächlichen Winterdienst der Holding Graz Services stattfinden könnte.

holding graz linien lego stefan königshofer bus bim strassenbahn haltestelle winterdienst (1)Was noch zu bauen wäre…

Wie es mit Stefans Hobby weiter geht, weiß er noch nicht. Er könnte sich aber vorstellen, sein Hobby zu seinem Beruf zu machen. Bisher verkauft er seine Modelle eher spärlich – nicht wegen mangelnder Anfrage, sondern wegen der persönlichen Bindung. Hauptberuflich Stein auf Stein zu setzen, würde ihm aber gefallen. Für’s erste konzentriert er sich aber auf sein nächstes Modell, das er schon im Kopf hat: “Ich will jetzt wirklich die Schloßbergbahn samt Haltestelle nachbauen.” Glück auf!

Und übrigens: den LEGO-Movie hat er noch nicht gesehen…

Weitere Infos

Fotos: Emanuel Droneberger / Holding Graz

 


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