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Bianca Riedl
 
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Benimmregeln: Kumpel, lass die Beine zusammen

In Japan hat jeder Öffi-Nutzer neben Handy und Co ein Müllsackerl in der Tasche: der Müll wird dort selbstverständlich mit nach Hause genommen. In New York bereiten die Sitzgewohnheiten der Männerschaft den Öffi-Betreibern Kopfzerbrechen und in Wien lässt wildes Herumgeknutsche die Nasen rümpfen. Willkommen am Ort, an dem man wahrscheinlich mehr Zeit mit Fremden als mit Freunden verbringt: in den Öffis dieser Welt. Eine Aufklärung in Sachen Benimmregeln.

Benimmregeln für das Miteinander in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es auf der ganzen Welt.

Der Klassiker: An der Haltestelle die Leute erst austeigen lassen, bevor man selbst einsteigt. Diese Vorschrift hat in den New Yorker U-Bahnen oberste Priorität und wird von einer monotonen weiblichen Tonband-Stimme gebetsmühlenartig wiederholt. Ebenfalls im Programm der amerikanischen Benimmregeln: Rucksack abnehmen, Taschen nicht auf Sitze stellen, Schwangeren, Älteren und Behinderten den Sitzplatz überlassen, Müll mit rausnehmen, keine Mahlzeiten zu sich nehmen, Rauch- und Alkoholverbot usw.

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Aufregung um „Manspreading“

Die neueste Vorschrift im Big Apple hat jedoch einiges an Diskussionen ausgelöst: “Dude…..Stop the Spread, Please!” oder “Kumpel, lass das Beine spreizen”. Zurecht fragt man sich: Sitzen nur Männer mit gespreizten Beinen herum? Geht es hier um optische oder gar anrüchige Beweggründe? Der Metropolitan Transportation Authority, kurz MTA, geht es tatsächlich um die Platzfrage. Je nach Beinlänge und Sitzanordnung kann ein Mann mit gespreizten Beinen angeblich bis zu drei Sitzplätze belegen. Es gibt mittlerweile sogar ein eigenes Wort dafür: „Manspreading“, zusammengesetzt aus “Man” und “Spreading”. Die Kurzform dafür, dass “man(n) beim Sitzen sich nicht so ausbreiten und nicht alles raushängen lassen soll”. Ziel der Benimmregeln Aktion ist es, Männer zumindest zu einer mehr geschlossenen und ansehnlicheren V-Sitzposition zu bewegen. Es soll ja auch Damen mit langen Beinen und Vorlieben für ausladende Sitzpositionen geben, das haben die amerikanischen KollegInnen anscheinend jedoch vernachlässigt.

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Ein zweiter Hinweis würde wohl so manchen Grazer Fahrgast zum Lächeln und/oder Staunen bewegen. „Poles are For Your Safety, Not Your Latest Routine“. Gut, also bitte kein Pole Dancing in den Öffis, wir sind schließlich kein Fitness-Studio oder eine Erotik-Spilunke. Tatsächlich sollen die Haltestangen in News York ab und an für artistische Einlagen zur Beeindruckung der Mitreisenden genutzt werden. Wobei auch hier der Grundatz zur Geltung kommen könnte „Füße im Aug, dem Fahrgast nix taugt“.

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Benimmregeln in Japan

In Japan ist Sauberkeit allererste Bürgerpflicht. Auch in der “schäbigsten” U-Bahn-Station ist es sauber. Kein Papier auf dem Boden, kein Zigarettenstummel, keine Sauerei, die nicht sofort jemand beseitigen würde. Überhaupt ist Rücksichtnahme auf Andere das A und O im gesellschaftlichen Miteinander im Land der aufgehenden Sonne. In den Öffis wird nicht gegessen oder getrunken, nicht geschnäuzt (sondern mehr oder weniger vornehm „aufgezogen“ worüber man diskutieren könnte) und sich nicht laut unterhalten (außer man steht unter Alkohol-Einfluss). Das Wechseln der Bahnsteige in der Rush Hour erinnert an einen zombieartigen Trauermarsch, in dem sich die Massen zügig aber wortlos von A nach B bewegen. Drängeln und Schubsen sind die Ausnahme. Und trotzdem haben auch die KollegInnen in Japan eine Kampagne in Sachen Benimmregeln in den Öffis gestartet.

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Rote Lippen soll man küssen…

Die Benimmregeln, besser gesagt die Hausordnung in den Wiener Öffis soll den Fahrgästen einen Rahmen vorgeben, wie man sich in den Öffis so verhält, dass sich andere nicht gestört fühlen. Außerdem soll sie dazu beitragen, dass eben jene sicher und pünktlich von A nach B gelangen. Hauptdiskussionspunkt der Kampagne stellt sicher folgendes dar: “Küssen verboten!” Die KollegInnnen klären auf: „Mehrere Aspekte des öffentlichen Lebens in den Fahrzeugen wurden thematisiert. Essen und Trinken, laut Telefonieren, Schmutz, mit Hund unterwegs und so weiter. Zusätzlich gibt es Dinge die nicht verboten sind, aber durchaus von dem ein oder anderen als störend empfunden wird. Zum Beispiel Nasebohren, Fingernägel schneiden und so weiter.“ Und eben auch wildes Herumgeknutsche zwischen den Mitreisenden. Ist also kein Verbot, sondern die Bitte zu überdenken ob tatsächlich alle Bedürfnisse in U-Bahn, Bus und Bim erledigt werden müssen, oder man damit jemanden stört.

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Fotos: mta.info, Bianca Riedl / Holding Graz, Facebook / Wiener Linien, Youtube / MindlezzThoughtz II’s
Links: Website Holding Graz

 


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