In der Sturzgasse 8 befinden sich die Restmüll- und Bioabfall-Behandlungsanlagen der Stadt Graz
 
 
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Die Sturzgasse – wo sich der Rest vom Müll trennt

Mist, Ramsch, Unrat, Dreck– für das, was wir tagtäglich wegwerfen, haben wir viele Namen. Doch wirklich unverwertbarer Abfall ist eigentlich nur ein kleiner Teil unseres Mülls – Wiederverwertung heißt das Stichwort. Was aus dem wird, wofür wir keine Verwendung mehr haben, entscheidet sich vielfach in der Sturzgasse 8 in Graz.

Der Grazer „Sturzplatz“ – so ziemlich jedem ein Begriff, der einmal entrümpelt hat oder große Abfallmengen loswerden wollte. Hinter diesem eingebürgerten Begriff stecken die Recyclingcenter 1 und 2 der Sturzgasse. Dort können Grazer selbst Altstoffe und Abfälle anliefern. Daneben befinden sich in der Sturzgasse auch noch die Restmüll- und Bioabfall-Behandlungsanlagen der Stadt Graz – doch dazu später.

Rund 300.000 Besucher werden im Recyclingcenter in der Sturzgasse jedes Jahr gezählt. Die Bewohner der Stadt Graz können hier beispielsweise Sperrmüll, Bauschutt und Grünschnitt abgeben. Diese Abfälle landen im Recyclingcenter 1, wo sie gegen eine Gebühr entgegen genommen werden. Allein in diesem Teil der Anlage werden pro Jahr 25.000 bis 30.000 Tonnen Abfall gesammelt. Im Recyclingcenter 2 werden Elektro-Altgeräte, Verpackungen, Kartonagen, Alttextilien und Problemstoffe kostenfrei entgegen genommen.

In der Sturzgasse 8 in Graz trennt der Kunde den Müll in verschiedenste Materialen

In den Recyclingcentern werden die Abfälle schon bei der Anlieferung sortiert – das macht jeder Kunde selbst, indem er seinen Müll in die dafür vorgesehen Behälter wirft. Der Großteil der Materialien sind verwertbare Stoffe: Glas, Kunststoff, Metall, Holz, Textilien – diese und andere Stoffe landen in Fabriken, wo sie recycelt bzw. weiterverwertet werden. So entsteht aus Glas wieder Glas, Holz wird verbrannt oder als Pressspan wiederaufbereitet und Dosen kommen in die Stahlfabrik und werden oft wieder zu Dosen.

Direkt nebenan, in der so genannten „Restmüllbehandlungsanlage“, landet der gesamte Restmüll aus der grauen Tonne und der Sperrmüll der Stadt Graz. Dort wird er in einem ersten Schritt mit Baggern vorsortiert. Dabei werden alle Wert- und Störstoffe, wie etwa Holz oder Karton, aber auch Störstoffe wie Betonteile aus dem Restmüll entfernt. Das meiste davon wird so wie die Abfälle aus den Recyclingcentern wiederverwertet.

In der Restmüllbehandlungsanlage landet der gesamte Restmüll der Stadt Graz

Danach erfolgt eine maschinelle Sortierung nach Größe und Gewicht. Alles, was durch ein Sieb durchfällt und somit kleiner ist als 80 mm ist und noch dazu überwiegend biologisch abbaubar ist, kommt in die biologische Behandlungsanlage nach Frohnleiten. Dort wird das Material durch die Abwärme aus dem biologischen Abbauprozess getrocknet und anschließend einer thermischen Verwertung in verschiedenen Industrieanlagen zugeführt. Abfälle, die größer  als die Sieblöcher sind und vor allem heizwertreiche Materialien enthalten, werden ebenfalls für eine thermische Verwertung weiter aufbereitet (Windsichtung, Nachzerkleinerung). Aus allen Stoffströmen zieht jeweils ein riesiger Magnet alle metallischen Anteile aus dem Restmüll heraus.

So entstehen am Ende drei verschiedene „Fraktionen“, also Abfallgruppen: eine niederkalorische und eine hochkalorische Fraktion und die stofflich verwertbaren Metalle. Die Einteilung nach dem Heizwert des Abfalls hat einen Einfluss darauf, auf welche Weise er verbrannt werden kann. Thermisch verwertet – also verbrannt – werden aber letztendlich beide Fraktionen. Das passiert beispielsweise in Retznei oder Niklasdorf, wo auf diese Weise mit unserem Müll Energie gewonnen wird.

Abfälle werden in der Anlage zerkleinert und weiter sortiert und anschließend in Retznei oder Niklasdorf verbrannt

Schließlich wird in der Bioabfallbehandlungsanlage der getrennt gesammelte Biomüll der Stadt Graz zusammen mit dem angelieferten Grünschnitt aufbereitet. Das geschieht ebenfalls in der Anlage in der Sturzgasse. Er wird danach für die landwirtschaftliche Kompostierung verwendet und als fertiger Kompost oder abgemischt als Gartenerde im Recyclingcenter verkauft.

So trennt sich in der Sturzgasse der Rest vom tatsächlichen Müll. Wobei Rest eigentlich das falsche Wort ist: Für große Teile unseres Abfalls gibt es mittlerweile sinnvolle Verwertungsmöglichkeiten. Ob als Recyclingflasche, Pressspanplatte, Biokompost oder Brennstoff – auch der Müll in der Sturzgasse bringt es noch zu was.

Fotos: Clemens Wolf / Holding Graz

 


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