René Knabl
 
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Ein Königreich für eine Märchenbahn!

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit ein königliches Geschwisterpaar namens Alina und Samuel. Beide Königskinder hegten große Begeisterung für Märchen und Prinz Samuel war außerdem auch ein großer Fan von Lokomotiven. Durch Sagen und Erzählungen wurden die beiden auf die faszinierende Reise mit der Grazer Märchenbahn aufmerksam. Der Weg aus ihrem weit entfernten Königreich „Bad Aussee“ zu den Stollen im Grazer Schlossberg war lang und beschwerlich. Mit großen Augen blickten sie in das dunkle Unbekannte.

Als sich die zwei Abenteurer in die kleinen, holprigen Wagen der Märchenlok setzten, war ihnen die Aufregung ins Gesicht geschrieben. Die etwas schüchterne Prinzessin Alina konnte sich sehr stolz schätzen, einen großen Bruder wie Samuel an ihrer Seite zu haben. Es dauerte nicht lange und die Lok setzte sich in Bewegung und fuhr in den kalten, geheimnisvollen Stollen.

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„Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“, hallt es von den nassen Steinwänden wider. Mit Taschenlampen bewaffnet suchen die Geschwister rasch in der Umgebung nach dem Ursprung dieser schauderhaften Stimme – und werden auch fündig. Doch der Kampf mit der hässlichen Hexe bleibt ihnen erspart, die Lok setzt ihre Fahrt fort.

Die Dunkelheit wird immer wieder von spektakulären Lichteffekten durchleuchtet. Als die Lokomotive um die nächste Kurve biegt, hört man das Geheule von Wölfen, das Gebrüll von Bären, den Ruf einer Eule. Prinzessin Alina zückt sofort ihre Taschenlampe und erhellt den Wald. Auch dann, als ihr Lichtstrahl die Tiere erfasst, lassen sich diese nicht von ihren Gesängen abhalten.

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Nach weiteren Metern mit der Märchenlok kommt das königliche Geschwisterpaar an einen bezaubernden Ort. Häuser aus Stein und Sand ragen bis zur Decke empor. Überall funkeln goldene Lampen im Licht. Prinz Samuel greift entschlossen zu seiner Taschenlampe und richtet den Schein auf sie. Plötzlich erfüllen zauberhafte Melodien die kargen Steinwände des Stollens. Bevor Alina und Samuel diese Wunderlampen genauestens unter die Lupe nehmen können, macht es einen Ruck und die Märchenbahn führt sie noch tiefer in den Stollen hinein.

Als sich Prinzessin Alina zu ihrer Linken umdreht, sieht sie ihr eigenes Spiegelbild. Doch irgendetwas war daran falsch. Sie sah nicht wie gewohnt aus. Eher wie ein aufgeblasener Luftballon. Im nächsten Moment war sie dünn wie die Nadel eines Spinnrads. „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Die Stimme klang schöner als die der alten Hexen, doch bevor man das Gesicht der Frau erkennen konnte, knirschten die Gleise unter ihnen und sie bewegten sich wieder vorwärts.

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Am Ende des Tunnels erblickte Prinz Samuel einen Lichtschein. Ob sie wohl den ganzen Schlossberg durchquert hatten? Unerwartet hält die Lok an. Finsternis umgab die beiden Königskinder. Doch dann vernehmen sie eine merkwürdige Stimme. Sie hörten das Feuer lodern. „Ach wie gut, dass niemand weiß… Ach wie gut, dass niemand weiß…“
Eine kleine Gestalt mit langem Bart steht direkt am Feuer. „Was weiß niemand? Was? Sag es uns!“, fordert Alina den kleinen tanzenden Mann auf. Doch auf die Antwort wartet sie vergeblich.
Das Licht vor der Lokomotive wird immer heller. Die Fahrt wird schneller. Was da wohl noch kommen mag?

Prinzessin Alina und Prinz Samuel haben die Fahrt mit der Märchenbahn gut überstanden, sogar so gut, dass beide noch einmal in den kalten Stollen fahren wollten. Stimmen, Gesänge, Geräusche. Phänomenale Lichteffekte und der kühle Luftzug, der einem ins Gesicht bläst. Das Geschwisterpaar tritt ihre Heimreise in ihr weit entferntes Königreich an und nimmt märchenhafte Erinnerungen mit.

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Fotos: René Knabl / Holding Graz

 


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