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Alexander Fünck
 
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Einzigartig: Das Landeszeughaus

„Bua, heut zeig’ ich dir etwas Besonderes!“ Mit diesen Worten hat mich mein Großvater in den frühen achtziger Jahren auf eine märchenhafte Reise mitgenommen. Meine Spannung und die Vorfreude musste ich auch nur wenige Straßenzüge lang unterdrücken, schon standen wir vor einem imposanten Gebäude. Das Tor vom steirischen Panther geziert, die Fenster mit fingerdickem Schmiedeeisen geschützt: Das steirische Landeszeughaus!

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Größte Rüstkammer der Welt

Und mein Großvater hatte mir nicht zuviel versprochen: Auf insgesamt über 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche finden sich über 32.000 Exponate aus mehr als drei Jahrhunderten. Noch immer wäre es möglich, mit den im Landeszeughaus ausgestellten Waffen eine Armee von über 5.000 Mann auszurüsten. Die Ausstellungsstücke gliedern sich in sogenannte „Schutzwaffen“ wie Helme, Rüstungen und Schilde, in Blankwaffen (Schwerter und Äxte), Stangenwaffen (Lanzen und Hellebarden) und natürlich auch in Feuerwaffen wie Gewehre und Pistolen. Seine „Blütezeit“ – sofern bei einem Waffendepot diese Formulierung angemessen ist – erlebte das Landeszeughaus an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert. Damals konnte man quasi über Nacht ein stehendes Heer von über 16.000 Mann mit den Beständen aus der Grazer Herrengasse bewaffnen. Ausgerüstet wurden vor allem Fußsoldaten und Söldner, die sich der steirischen Landesverteidigung oder dem Dienst an der so genannten Militärgrenze in Kroatien verschrieben hatten. Nachdem in den folgenden Jahrzehnten steirische Soldaten der kaiserlichen Armee eingegliedert und im Zuge der Zurückdrängung des Osmanischen Reiches weit in den Balkan die Ausstattung der Soldaten an der Militärgrenze nicht mehr notwendig war, begann das Landeszeughaus seine Bedeutung als Rüstkammer zu verlieren. 1749 sollte es sogar vollständig aufgelöst werden.

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Von der Waffenkammer zum Museum

Dass die Bestände des Steirischen Landeszeughauses heute noch in diesem – weltweit einzigartigen – Umfang erhalten sind, ist vor allem den Bemühungen der steirischen Landstände um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu verdanken. Die Habsburgerin Mara Theresia wollte nach dem faktischen Wegfall der Bedrohungen durch die Osmanen den gesamten Bestand nach Wien verlagern und das Landeszeughaus schließen. Die steirischen Stände konnten die Herrscherin schließlich von der Notwendigkeit des Bestandes und vom ideellen Wert der Sammlung überzeugen. Seit dem Jahr 1892 ist das Haus schließlich als Teil des Landesmuseums Joanneum fixer Hotspot für Graz Touristen. In den Wirren des zweiten Weltkrieges wurden sämtliche Bestände in mehrere steirische Schlösser ausgelagert und nach dem Ende des Krieges – ohne Verluste – wieder in die Herrengasse rückgeführt. Mit Hilfe der britischen Besatzer konnte das Landeszeughaus bereits im Jahr nach Kriegsende wiedereröffnen. Im Jahr 2013 wurde das gesamte Landeszeughaus barrierefrei gemacht und die sogenannte „Kanonenhalle“ (hier wurden in der Vergangenheit die großen Artillerie-Waffen gelagert), nach einem behutsamen Umbau als moderner Informations- und Kassenbereich eröffnet.

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Weltweit einmalig!

Zu oft werfen wir in der heutigen Zeit mit Superlativen wie „einzigartig“, oder „einmalig“ um uns. Auf das steirische Landeszeughaus treffen die meisten jedoch ohne Bedenken zu. Denn: In den meisten Städten gibt es Museen, aber nur in Graz gibt es mit dem Landeszeughaus die größte – noch im Original erhaltene – Rüstkammer der Welt!

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Fotos: Patricia Kleewein / Holding Graz

 


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