Alexander Fünck
 
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Graz Tourismus: 1 Mile, 7 Secrets

Dass Graz abseits weltberühmter Sehenswürdigkeiten wie Uhrturm, Lichtschwert und Schloss Eggenberg auch weniger Bekanntes, aber nicht minder Bedeutendes zu bieten hat, davon konnten wir uns diese Woche selbst überzeugen. Graz-Guides Fremdenführerin Mag. Sigrid Deutsch führte uns fernab ausgetretener Touristenpfade auf den Grazer Campanile, zeigte uns Napoleons Schlafzimmer und ließ uns einen überdimensionalen Pfirsichkern streicheln.

1. Holding Graz Verwaltungsgebäude

Das erste Ziel ist schnell gefunden und wir haben sogar „Heimvorteil“: Das in den Jahren 1930/31 errichtete Verwaltungsgebäude der Holding Graz am Andreas-Hofer-Platz gilt als eines der wichtigsten Architekturbeispiele der Zwischenkriegszeit in Graz und sorgte schon kurz nach der Fertigstellung für heiße Diskussionen. Der Berliner Architekt Rambald Steinbüchl-Rheinwall plante das Stiegenhaus nämlich so, dass pro Geschoß zwei Fenster übereinander Platz fanden, wodurch der eigentlich nur sechs Stockwerke hohe Treppenturm von außen wie ein Hochhaus wirkt.

Holding_Stiegenhaus

2. Joanneumsviertel

Was das Museumsquartier für Wien ist, ist das Joanneumsviertel für Graz: der Museums-Hotspot schlechthin. Seinen Ursprung fand das Gebäude im Jahr 1811 als technische Universität und Universalmuseum Joanneum, eine Gründung von Erzherzog Johann. Seit dem Umbau im Jahr 2011 haben Landesbibliothek (700.000 Werke), Multimediale Sammlung, Bruseum und das Naturhistorische Museum eine neue, stylische Heimat. Wer heute den Platz zwischen den beiden alten Gebäudeteilen in der Neutorgasse und der Raubergasse betritt, steht eigentlich auf einem Dach. Lichtkuppeln und Schächte weisen dem Sonnenlicht den Weg. Die einzige freistehende Rolltreppe von Graz führt hinab und dennoch in die Höhen steirischer Kultur.

Joanneum_Viertel

3. Hof der Stadtpfarrkirche

Wenn wir die Arkadengänge des Landhauses und das Gewühl der Herrengasse hinter uns lassen, befinden wir uns im Hof der Stadtpfarrkirche (Herrengasse 23). Mit einem Mal ist es ruhig, Verkehrslärm und Alltag wie ausgesperrt. Hier befand sich in früheren Zeiten das “jüdische Viertel” und die katholische Kirche stellt heute längst das Verbindente vor das Trennende: So findet sich die heilige Zahl 12 in der Pflasterung: 12×12 Platten, darauf 144 Zeichen nach Osten gerichtet, bilden den Segensspruch des Aaron. Die Fertigstellung erfolgte zu Rosh Hashana, dem jüdischen Neujahrsfest.

Hof_Stadtpfarrkirche

4. Napoleonsaal

Im Haus Herrengasse 13, durch den Eingang der Bank Austria zu erreichen, befindet sich im zweiten Stock der sogenannte Napoleonsaal. Würde nicht der Name schon neugierig machen, allein der Besuch des prunkvollen Stiegenhauses ist schon eine Attraktion für sich. Im Saal angekommen, fällt der Blick auf Wandmalereien die als die bedeutendsten des Klassizismus in Graz gelten und vom bekannten Theatermaler Alois Gleichenberger gestaltet wurden. Im Haus selbst hat im April des Jahres 1797 Napoleon Bonaparte insgesamt fünf Nächte verbracht, ob genau in diesem Zimmer ist allerdings nicht überliefert.

Napoleonsaal

5. Jesuitenkollegium

Was macht ein Schneemann im Sommer? Das herauszufinden ist nicht schwierig, wenn man unseren nächsten „Secret-Place“ aufsucht. Im 1300 m² großen Renaissance-Hof des Jesuitenkollegiums in der Bürgergasse befindet sich ein aus Marmor geschaffener Schneemann des Künstlers Manfred Erjautz. Das 2005 errichtete Kunstwerk steht unter der Bezeichnung „Erforschen des Vergänglichen“  und gilt als Symbol des Vergänglichen. Der Innenhof selbst ist der größte seiner Art in Graz. Insgesamt besitzt die Grazer Altstadt etwa 50 Innenhöfe aus der Renaissance-Zeit!

Hof_Jesuitenkolleg

6. Mausoleum-Campanile

Bekannt ist das Mausoleum vor allem als Grabmal des Habsburger-Kaisers Ferdinand II. Der ab 1614 errichtete Bau gilt als das prunkvollste Habsburger Grabmal überhaupt. Etwas das selbst viele Einheimische noch nicht erlebt haben, ist der Ausblick vom Campanile des Mausoleums. Hat man erstmal die zahlreichen, ausgetretenen Stufen zur Turmspitze überwunden, bietet sich ein atemberaubender Ausblick zu allen Seiten der Altstadt. In der Friedrichskapelle des Domes befindet sich mit dem Tafelbild „Die Kreuzigung im Gedräng“ aus dem Jahr 1457 das bedeutendste Kunstwerk von Graz. Das von Conrad Laib geschaffene Tafelbild gilt als eines der wertvollsten Tafelgemälde Österreichs.

Mausoleum_Campanile

7. Stadtkern/Burggarten

Der Burggarten wurde bereits im 16. Jahrhundert als Burgbastei angelegt. Im Jahr 2005 erfolgte durch die Gartenarchitektin Gertraud Monsberger eine Neugestaltung. Dabei wurde der alte Baumbestand freigelegt, die Orangerie restauriert und eine eigene „Wasserachse“ mitten im Park angelegt. Von der Orangerie bietet sich ein herrlicher Blick über die Rosenbeete zur Burg. In einem der Burghöfe nebenan befindet sich der sogenannte „Stadtkern“. Ein überdimensionaler Pfirsichkern, gestaltet von Anne und Peter Knoll, symbolisiert auf künstlerische Weise den Mittelpunkt der Stadt Graz. Das eigentliche Zentrum der Stadt befindet sich allerdings im dritten Burghof und wird mit einer Aluminiumscheibe angedeutet.

Burggarten_Rosen

Fotos: Rene Knabl / Holding Graz

 


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