Daniel Rebernegg
 
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Der Grazer Maroni-Check

Keine Frage, neben dem Glühwein gehören Maroni zu den leckersten Handwärmern an kalten Tagen. Da Mitte September offiziell die Maroni-Saison eingeleitet wurde, stellen wir die Grazer und Grazerinnen vor, die die Früchte mit der harten Schale und dem weichen Kern verkaufen.

Seit 1924 in Graz

Vor genau 90 Jahren eröffnete die Familie Ficzko ihren ersten Maroni-Stand am Südtirolerplatz. 1948 übersiedelten sie dann auf den Grazer Hauptplatz, den sie seit damals nicht mehr verlassen haben. „Der Stand ist seit drei Generationen in Familienbesitz“, erklärt Werner, der seit 17 Jahren die Edelkastanien hier verkauft. „Ich habe im Gastgewerbe begonnen und dann einen Job für den Winter gesucht. So bin ich durch etwas Zufall zum Maronibraten gekommen. Seitdem bin ich hier am Hauptplatz und freue mich über jeden, der mich besuchen kommt“, erzählt der Verkäufer. Zurzeit schenkt er noch italienische Kastanien aus, aber Mitte Oktober kommen die richtigen Maroni.

Die Maronessa am Eisernen Tor

Ähnlich lange wie Werner am Hauptplatz, arbeitet Cvetka am Eisernen Tor: „Vor 16 Jahren hat mein Vater den Stand hier eröffnet. Als er starb, habe ich ihn dann übernommen“, so die Inhaberin. Ein zweiter “Maronessa-Maroni”-Stand steht auf der Hauptbrücke. Dieser wurde schon vor etwa 30 Jahren aufgemacht und Cvetka kann sich noch ganz genau an die damalige Zeit erinnern: „Mein Vater war Obst- und Gemüsegroßhändler, aber das Maronibraten war seine echte Leidenschaft. Schon damals waren wir ein Team – er am Ofen und ich hab ausgeschenkt.“  Neben dem Braten steht für sie vor allem die Kommunikation mit dem Kunden im Vordergrund. Besuchen kann man Cvetka noch bis Anfang März.

Sie steht als längstes am Grill

Die älteste Grazer Maroni-Verkäuferin findet man am Jakominiplatz. Edeltraud ist seit bereits 34 Jahren hier zu finden und die Arbeit am Grill macht ihr noch immer so viel Spaß wie am ersten Tag. Auf die Frage, ob die Berufserfahrung sie zur besten Maroni-Braterin in Graz macht, lacht sie nur und meint: „Ich verlasse mich dabei voll und ganz auf mein Gefühl, und wenn die Leute wiederkommen, weiß ich, dass es gepasst hat.“ Wie die meisten anderen Verkäufer bezieht auch Edeltraud ihre Edelkastanien aus Italien, auch wenn sie an sonnigen Tagen lieber auf ein anderes Produkt umsatteln würde: „Zurzeit ist es noch zu warm, da würde sich ein Eis besser verkaufen“, schmunzelt die ältere Dame. Die Hauptsaison beginnt für sie erst zu Allerheiligen und dauert bis Ende Jänner.

Maroni statt Eis

Mit einem kleinen Eisstand begann es bei Sabina, die heute in dritter Generation den Stand am Joanneumring betreibt. Ihr Vater suchte damals eine Alternative zum Sommergeschäft und fand diese am Maronigrill. Von ihm lernte Sabina auch alles über die perfekte Edelkastanie: „Sie müssen schön fest sein, die Schale sollte glänzen und sie sollten eine dunkelbraune Farbe haben.“ Danach geht es nur mehr um den richtigen Anschnitt, damit sich die Frucht leicht öffnen lässt. „Aber nicht zu tief, sonst zerfällt die Maroni beim Schälen“, ergänzt die Verkäuferin. Geschnitten wird zudem noch mit der Hand: „Maschinen wurden dafür noch keine erfunden“, lächelt Sabina.

Ein Jubiläum in der Herrengasse

Ein kleines Jubiläum feiert Adam, den man im Maroni-Stand in der Herrengasse findet. Seit 25 Jahren arbeite er jetzt schon als Maronibrater, wobei er in der Herrengasse mittlerweile zum zehnten Mal ist. Der passionierte Koch bezeichnet sich selbst als Spezialist, was das Braten angeht, sein Geheimnis wollte er aber nicht verraten. Vielleicht hat es etwas mit dem Grill zu tun: „Der kommt aus Italien und wurde dort per Hand gefertigt.“ An seinem Stand bekommt man übrigens auch nur italienische Ware. Warum keine Grazer Kastanien auf den Grill kommen, erklärt er so: „Die lassen sich nur ganz schwer abschälen, weil es sich dabei um eine ganz andere Sorte handelt. Wenn die Kunden die Maroni nicht leicht aus der Schale bekommen, kommen sie auch nicht wieder.“

Fotos: Daniel Rebernegg / Holding Graz

 


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