Grazer Wasser_Heimatliebe beim Alpengasthof Bodenbauer beim Hochschwab
 
Bianca Riedl
 
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Grazer Wasser: Achtung, verursacht Heimatliebe!

Das ist ja so eine Sache mit dem Fernweh. Noch bis vor wenigen Tagen war ich in Andalusien und genoss die sommerlichen Temperaturen, die leckeren Tapas und die mediterrane Landschaft. Der Abschied fiel mir schwer. Und auch die Eingewöhnung in den Alltag. Bis zu meinem ersten Auswärts-Einsatz: eine Fahrt zum Ursprung des Grazer Wassers in der Obersteiermark. Spätestens als ich mein Auto Richtung Fuße des Hochschwabs lenke, denke ich bloß „Wow, ist das schön hier!“

Zwei Brunnen im St. Ilgener Tal, knapp eineinhalb Autostunden von Graz entfernt, ist Reisestart für das Grazer Wasser. Wenige Tage später fließt es aus den Wasserhähnen der Landeshauptstadt. Und kaum ein anderer „Geburtsort“ bietet eine derart romantische Kulisse wie das Tal am Fuße des Hochschwabs. Ziel meines Ausflugs ist der bekannte Alpengasthof Bodenbauer, der passionierten Wanderern und Skitouren-Gehern als Ausgangspunkt zahlreicher Touren dient. Die Kulisse ist bereits im Tal atemberaubend. Der Hochschwab ist mit 2.277 Metern der höchste Berg in der gleichnamigen Hochschwab-Gebirgsgruppe.

Grazer Wasser am Hochschwab

Cuvée deluxe

Wir Steirer genießen mit einem Schluck Grazer Wasser ein exzellentes Cuvée. Ein Drittel wird von der Zentral-Wasserversorgung Hochschwab-Süd GmbH (ZWHS) bezogen. Zwei Tage dauert es bis das Wasser (jährlich 6,3 Mio. m³) durch die 76,5 km lange Trinkwassertransportleitung fließt und in der Übergabestation in Friesach landet, wo dann der Zusammenschluss mit der Wasserversorgungsanlage der Holding Graz Wasserwirtschaft erfolgt.
 Zu je einem weiteren Drittel wird das Grazer Wasser in den Wasserwerken Friesach, Andritz und Feldkirchen gewonnen. In den ersten beiden wird zur Erhöhung des Angebots und zur Beeinflussung der Qualität künstliche Grundwasseranreicherung betrieben. Diese weitblickende Maßnahme bewirkt einerseits ein Abdrängen des Uferfiltrats der Mur und damit eine Qualitätsverbesserung des geförderten Wassers und andererseits eine Erhöhung der Menge des vorhandenen Grundwassers durch die Untergrundspeicherung. Darüber hinaus verfügt die Grazer Wasserversorgung über Bezugsrechte beim Wasserverband Umland Graz.

Wasserkreislauf_Grafik_Blog

Wasserverteilung

Vom Wasserwerk bis zum Wasserhahn fließt das Grazer Wasser durch Transport-, Versorgungs- und Hausanschlussleitungen. Das Wasser wird in ein vernetztes Verteilsystem eingespeist, das stattliche 868 km misst. Dazu kommen Hausanschlussleitungen mit einer Gesamtlänge von 483 km für Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und Betriebe in Graz. Das gesamte Rohrnetz wird laufend optisch, akustisch und mittels modernster elektronischer Geräte auf seine Dichtheit überprüft.

Wasserspeicherung

Zur Sicherstellung der Versorgung, zum Ausgleich von Verbrauchsschwankungen sowie als Reserve bei Störfällen und Brandereignissen ist es erforderlich, das Wasser zu speichern. Diese Speicher (Hochbehälter) werden zu Zeiten niedrigen Wasserverbrauchs – meist in den Nachtstunden – gefüllt, um in den verbrauchsstarken Stunden zum Spitzenausgleich zur Verfügung zu stehen. Die Holding Graz Wasserwirtschaft verfügt derzeit über 22 Trinkwasserhochbehälter mit einem Gesamtspeichervolumen von mehr als 36.000 m³ (das sind an die 250.000 volle Badewannen).

Wasser_Hochschwab

Wasserqualität

Weil Trinkwasser ein so wichtiges Lebensmittel ist, ist seine Qualität durch das Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz und die Trinkwasserverordnung geregelt. Für gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe gibt es Grenzwerte, die penibel eingehalten werden müssen. Mit Hilfe moderner Analyseverfahren kommen die Untersuchungsstellen selbst diesen kleinen Mengen auf die Spur und das in regelmäßigen Abständen, zum Teil täglich. Der chemische und bakteriologische Zustand des Grazer Wassers wird täglich kontrolliert. Die Analyse erfolgt im betriebseigenen Wasserlabor. Dank der hohen Qualität des gewonnenen Wassers genießen die Grazerinnen und Grazer ein vollkommen naturbelassenes Wasser, ohne Aufbereitung und ohne Chlorung.

Wasserschutz

Um die strengen Anforderungen an die Trinkwasserqualität zu erfüllen und sie auch für die nächsten Generationen aufrecht zu erhalten, ist das Grundwasser in Österreich geschützt. Rund um die Brunnen der Wasserwerke und im Einzugsgebiet der Brunnen sind Wasserschutz- und -schongebiete eingerichtet, in denen strenge Auflagen im Hinblick auf Nutzung und Verwendung Grundwasser gefährdender Stoffe gelten. Die Holding Graz Wasserwirtschaft hat in diesen Wasserschutzgebieten Beobachtungs- und Kontrollbrunnen errichtet. Entdeckt man in einem Kontrollbrunnen einen Schadstoff, kann rechtzeitig reagiert werden, noch bevor Verunreinigungen in die Brunnen gelangen – das Trinkwasser bleibt unbelastet.

Grazer Wasser

Auf dem Heimweg lasse ich meinen Blick aufmerksam durch das Grazer Stadtgebiet wandern. Ich denke an die Kostbarkeit unseres Wassers und an die Worte des österreichischen Försters, Erfinders und Naturforschers Viktor Schauberger: „Irgendwann in diesem Jahrhundert wird eine Flasche mit reinem Wasser mehr kosten als eine Flasche Wein.“ Zahlreiche öffentliche Brunnen prägen das Bild der Stadt, Trinkbrunnen befinden sich entlang der Lauf- und Radwege. Und daraus kann man direkt trinken, mit einer Trinkwasserqualität, mit der kaum ein anderes Land mithalten kann. Eben auch nicht das chlorhaltige Wasser in meinem geliebten Spanien. Und so kommt es, dass aus Fernweh plötzlich Heimatliebe wird.

Fotos: Peter Struckl / Holding Graz, livepics.at, Helge O. Sommer, Holding Graz Wasserwirtschaft

 


1 Kommentar

03/06/2014

Hallo,
finde ich schön, dass über meine Heimat hier geschrieben wird. Vielleicht können sich die Verantwortlichen einmal darüber Gedanken machen, dass ohne diese Trinkwasserumverteilung ein Großraum wie Graz oder auch Wien (das Wasser für Wien kommt ja auch zum Teil vom Hochschwab) vielleicht nicht so prosperieren könnte. Während der Ballungsraum Graz ständig wächst, kämpfen die Regionen rund um den Hochschwab mit Abwanderung im großen Stil. Schöne Natur alleine ist leider zu wenig damit die Vielzahl der Bevölkerung ein glückliches Leben führen kann. Mit der Anregung zum Nachdenken verbleiben ich mit freundlichen Güßen

Friedrich Kindelsberger wohnhaft in Leoben, aufgewachsen in St. Ilgen

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