Kunden unterstützen Bedürftige
 
Kevin Griebaum
 
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Große Hilfe für kleine Leute – Lokalaugenschein beim Charity Flohmarkt

Es ist noch dunkel, als der Wecker von Waltraud Potzinger schrillt. Zu einer unheiligen Zeit und noch dazu am Sonntag. Aber die Dame hat etwas vor – sehr viel sogar. Vor ihr liegt ein anstrengender Tag in der Busgarage Kärntnerstraße. Aber sie macht es gern, denn sie hilft mit ihrer Arbeit Menschen, die dringend Unterstützung brauchen. Dabei ist die engagierte Frau weder Busfahrerin, noch bei der Holding Graz beschäftigt – sie ist eine ehrenamtliche Helferin beim Charity-Flohmarkt.

„Um 7 Uhr ist hier am meisten los“, erzählt sie mit großen, lachenden Augen, die sich hinter einer Brille verstecken wollen. „Da drängen sich die Leute regelrecht herein und reißen sich um die Schnäppchen.“ Der Andrang ist aber auch ein paar Stunden später immer noch groß und die Kassa im Dauerbetrieb. Während einer kurzen Pause lässt Potzinger den Blick durch die Busgarage schweifen. Sie ist sichtlich zufrieden und erinnert sich daran, wie sie auf der anderen Seite des Warentisches gelandet ist: „Ich und mein Mann, wir haben damals hier oft eingekauft und sind darauf angesprochen worden, ob wir uns nicht auch beteiligen möchten.“ Potzinger weiß, wie dringend manche Familien Unterstützung dieser Art benötigen, denn sie ist selbst eine Betroffene. Ihr 17-jähriger Sohn Klaus leidet unter dem Pitt-Hopkins-Syndrom. Dank des Charity-Flohmarkts kann Klaus demnächst zum mittlerweile schon dritten Mal zu einer Delphintherapie in die Türkei fliegen.

Fotos von Sohn Klaus bei einer Delphintherapie

Waltraud Potzinger ist aber nur eine von vielen, die für das regelmäßige Zustandekommen des Flohmarkts verantwortlich zeichnen. Mittlerweile besteht das Team aus rund 40 Ehrenamtlichen, unter ihnen zehn bis fünfzehn MitarbeiterInnen der Holding Graz. Unermüdlich sammeln sie in ihrer Freizeit Geld für meist schwer behinderte Kinder. Fritz Winkler war einer der ersten, er ist sozusagen der geistige Vater des Charity-Flohmarkts.

Seit der Gründung 1999 hat sich einiges getan. Mittlerweile wird die Busgarage Kärntnerstraße jedes zweite Monat zum Flohmarkt; zu Weihnachten wird noch einer zusätzlich eingeschoben. Gespendet wird von den GrazerInnen jede Menge –von Büchern über Kleidung und Elektroartikel ist alles dabei, was einen guten Flohmarkt auszeichnet. Wer hier einkauft, trägt dazu bei, dass das Charity-Team Bedürftige unterstützen kann. Seit der Vereinsgründung 2002 konnte gut 350 Familien geholfen werden. Durch das selbstlose Handeln entstehen naturgemäß auch enge Bindungen und Freundschaften zwischen Helfern und Nutznießern. „Wir sind gesund, warum sollten wir also nicht helfen“, fasst Winkler seine Motivation zusammen. Im Fokus stehen zwar bedürftige steirische Familien, allerdings ist man auch bereit, über den Tellerrand hinauszublicken. Als 2010 das gewaltige Erdbeben Haiti erschüttert hat, wurden insgesamt 25.000 Euro an das dortige SOS Kinderdorf gespendet.

„Ich weiß, dass ich Gutes mach‘. Auf den ersten Blick für andere, im Grunde aber auch für mich“, sagt Frau Potzinger mit einem Lächeln und wendet sich wieder einem Kunden zu. Dieser kauft Kleidung und hat in einer kleinen Kiste schon andere Sachen, die er sogleich bezahlt: einen Spiegel, zwei, drei Bücher, ein Brettspiel und ein kleines, ferngesteuertes Auto. „Alles, was an Kleidung und Schuhen nicht verkauft wird, laden wir am nächsten Tag auf Hänger und führen es nach Ungarn. Dort besuchen wir die ärmsten Dörfer mitten in der Pampa, wo sonst kaum jemand hinkommt, und verschenken es“, erklärt Winkler. Er und Potzinger schauen sich kurz an, er nickt ihr zu. Ohne freiwillige Helfer wie sie wäre das Projekt nicht möglich. Potzinger erwidert die Geste, muss sich aber schon wieder abwenden. Denn der nächste Kunde wartet bereits.

Das Charity-Team des Flohmarktes

Fotos: Kevin Griebaum / Holding Graz, Andreas Rainer

 


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