Dieter Demmelmair
 
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Kanal: Der “dritte Mann” hätte auch in Graz seine Freude

Die folgenden Zeilen sind hoffentlich nicht für den Kanal – auch wenn es in ihnen darum geht. Genauer gesagt um das Grazer Kanalnetz, mit dem auch der “dritte Mann” aus dem weltbekannten Nachkriegs-Spionagethriller seine helle Freude hätte.

Was der Hollywoodklassiker “Sound of Music” für Salzburg war und ist, war und ist “Der dritte Mann” (Original: “The third Man”) für Wien. Ein Film, der noch Jahrzehnte nach seinem Erscheinen (1949) Touristen in die Bundeshauptstadt lockte. Diese wandeln im Rahmen geführter Touren auf den Spuren von Filmheld Harry Lime (Orson Welles) & Co, im Kopf die eingängige Melodie des von Anton Karas auf der Zither gespielten “Harry-Lime-Theme”, durch die Stadt. Und sogar die Wiener Kanalisation, in der es am Ende des Filmes zu einer spektakulären Verfolgungsjagd kommt, ist Teil der Rundgänge.

Verfolgt wird im Grazer Kanalnetz zum Glück niemand, gefolgt werden kann aber schon – nämlich im Rahmen von Führungen, ist doch ein Teil des insgesamt 850 Kilometer langen Kanalnetzes öffentlich, aber natürlich nur in Begleitung zugänglich (Infos zu den Führungen hier). 850 Kilometer – das entspricht in etwa der Autostrecke von der Kläranlage in Gössendorf in die schweizerische Hauptstadt Bern. Bern hat gerade einmal 140.000 EinwohnerInnen – und würde unsere Kläranlage nicht einmal zur Hälfte auslasten, denn diese kann das Abwasser von 300.000 Menschen bewältigen. Doch die Kläranlage ist das Ende der Geschichte, die wir hier erzählen wollen. Eine Geschichte, mit der wir auch den Weltwassertag gebührend feiern wollen!

Harry Lime

Am Ende ist alles ganz klar!

Wenn Wasser unsere Grazer Wasserhähne verlässt, ist es sauber – sehr sogar, stammt doch ein Teil unseres Trinkwassers vom Hochschwab. Wird es aber gebraucht, egal ob zum Kochen, Waschen, Duschen, Baden oder im WC, dann muss es gereinigt werden. Dahinter steckt ein kompliziertes und aufwändiges System. Verlässt das Wasser unser Heim, fließt es in den Kanal. Das gilt natürlich auch für (Regen-)Wasser, welches abfließt. Der größte Kanaldurchmesser in Graz beträgt 6,4 x 4 Meter (Speicherkanal), der kleinste zwanzig Zentimeter. Was in der Kläranlage passiert, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: “Das Abwasser durchläuft dort nach dem Selbstreinigungsprinzip eine ganze Reihe mechanischer und biologischer Prozesse, natürlich ohne chemische Zusätze”, weiß Karl Schröttner, Betriebsleiter Abwasser der Graz Wasserwirtschaft.

Im Detail: Erst kommt es zu einer Grobreinigung, danach fließt das Abwasser in den sogenannten “Sandfang”, ehe es im Vorklärbecken endgültig vom Schlamm getrennt wird. Jährlich fallen in Gössendorf rund 200.000 Kubikmeter Klärschlamm an, die in der Faulanlage vor Ort in Methangas umgewandelt werden. “Damit kann der Energiebedarf der  Kläranlage zu drei Viertel gedeckt werden”, so Schröttner.

Ist das alles passiert, fließt das Abwasser in ein Belebungsbecken, danach geht es ins Nachklärbecken und – schwupps! – in die Mur. Und dann schwimmt unser einstiges Schmutzwasser mit einem “Reinheitsgrad” von 98 Prozent in die Drau, von dort in die Donau und dann ins Schwarze Meer, wenn es bis dahin nicht verdunstet ist. Doch das ist eine ganz andere Geschichte! Auch eine andere Geschichte ist, was die MitarbeiterInnen des Abwasserbereiches so alles im Kanal finden. Zum Beispiel 50 Schlüssel pro Jahr …

Ohne Speicherkanal wird’s fatal!

Übrigens: Graz baut ja bald den “Zentralen Speicherkanal”. Der ist deswegen notwendig, damit selbst Starkregentage der Mur nichts mehr anhaben können. Was Starkregentage mit unserem Fluss zu tun haben? In Graz gibt es pro Jahr durchschnittlich 50 Tage, an denen die Regenfälle so heftig ausfallen, dass die Kapazitäten des Kanalnetzes nicht mehr ausreichen, um die Wassermengen zwischenzuspeichern. Die Folge: Das Mischwasser – also Regenwasser kombiniert mit Fäkalien, Abfällen und Dreck – strömt ungehindert und vor allem ungesäubert in die Mur. Problematisch sind dabei aber nicht nur die 50 Tage an sich. Die Abfälle, die an diesen Tagen in die Mur gelangen, verschlechtern die Wasserqualität das ganze Jahr über. Ist der “Zentrale Speicherkanal” erst einmal in Betrieb, kann mit seiner Hilfe die Verschmutzung der Mur um ein Vielfaches reduziert werden, da die anfallenden Wassermengen dann gespeichert und nach und nach an die Kläranlage in Gössendorf geleitet werden können. Der heutige Weltwassertag ist übrigens in Graz ganz diesem wichtigen Bauwerk gewidmet! Denn wer hat nicht gerne sauberes Wasser?

Alle Infos zur Wasserwirtschaft in Graz gibt es hier!

Fotos: Holding Graz, wien.gv.at

 


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