Kevin Griebaum
 
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Keine Fahrt mehr zum Schleuder-Preis

„Damals“, das werden die meisten von uns als zeitliche Umschreibung verwenden, wenn wir davon reden, als wir unseren Führerschein gemacht haben. „Damals“ war es auch schon üblich, ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. Man muss ja immerhin darauf vorbereitet werden, wie es im „echten Leben“ auf der Straße zu geht. Aquaplaning, schnelle Ausweichmanöver – wir erinnern uns. Vor allem Berufsfahrer kennen die Tücken des Alltags im rollenden Blechdschungel. Vor allem die, die sensible Ware täglich von A nach B bringen, wissen so ein Fahrsicherheitstraining zu schätzen. Die jüngsten Glücklichen: die Fahrer der Bestattung Graz.

Die Blinker des schwarzen Wagens flackern zwei, drei Mal schnell und ein mechanisches Geräusch ertönt, als die Zentralverriegelung aufgehoben wird. Die Tür wird an der Vorderseite geöffnet und der Fahrersitz knarrt leicht unter dem neuen Gewicht. Ein Klicken, als der Gurt einrastet. Die Mütze wird im Rückspiegel zurecht gerückt, der Zündschlüssel umgedreht und der Motor gestartet. Die letzte Fahrt beginnt.

Schon 2012 hat Andreas Truchses seine Idee umsetzen können und insgesamt 16 Fahrer der Bestattung Graz und seinen Filialen zum Fahrsicherheitstraining schicken können. Um das Training etwas individueller zu gestalten, wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt, um dann beim ARBÖ bzw. beim ÖAMTC prekäre Situationen im Straßenverkehr zu üben. Jetzt mag man vielleicht denken, dass gerade Bestattungswägen eher weniger weit fahren müssen. Zu einem gewissen Teil mag das ja stimmen, innerhalb von Graz werden tatsächlich meist nur kurze Strecken gefahren, allerdings sind auch immer wieder Überlandfahrten notwendig. Ziel des Trainings war es, die Fahrsicherheit zu verbessern.

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Fehlverhalten im Straßenverkehr wurde kontrolliert geübt: beabsichtigtes Übersteuern, mutwilliges Bremsen auf verschiedensten Belägen, Kurven und Gefälle, spritzig-nasse Ausweichmanöver und einige Rundum-Drehungen auf dem Schleuderkurs. An und für sich Standard-Programm bei den Fahrsicherheitszentren – aber mit Bestattungsfahrzeugen? Das war auch für die Trainer vor Ort etwas einzigartiges, das sie noch nie erlebt haben. Unterstützt wurde das Projekt von Direktor Mag. Zaki und Geschäftsführer DI Dr. Egger, die auch bei einigen Trainingseinheiten vor Ort waren.

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Auch wenn es für die besondere Fracht der Bestattungswägen jetzt keinen Unterschied mehr macht, so kann wenigstens die Familie gewiss sein, dass man sicher zur letzten Ruhestätte kommt. Denn für die Fahrer der schwarzen Wägen gibt es nur noch wenige Situationen im Straßenverkehr, mit denen sie nicht locker fertig werden würden.

Fotos: Andreas Truchses / Holding Graz

 


1 Kommentar

29/10/2013

Echt guter Beitrag, er war interessant zu lesen und auch die Idee hinter den Trainings ist verdammt gut Hut ab an den Autor und auch an unser Team der Bestattung

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