Alexander Fünck
 
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Giftmüllexpress: Die rollende Entsorgungsmannschaft

Es ist Mittwoch, 6 Uhr morgens. Dienstbeginn haben wir diesmal am Stützpunkt Neufeldweg der Holding Graz Services. Die Problemstoffsammelstelle ist die Endhaltestelle für „giftiges Zeug“ aus Haushalten, Geschäften und Apotheken. Wir haben uns zusammen mit den Giftmüllexperten auf die Jagd gemacht. Beuteschema: Altöl, Batterien, abgelaufene Medikamente und vieles mehr. Die Jäger: Bernd, Franz und Markus auf ihrem Giftmüllexpress!

Wir werden bereits erwartet. Bernd merken wir schon in den ersten Minuten an, dass ihm die Arbeit nicht nur Spaß macht – er ist auch überzeugt davon. Schnell erfahren wir, wie wichtig gerade bei Problemstoffen die richtige Entsorgung ist. Der Giftmüllexpress selbst ist ein LKW im auffallenden Design. Und „auffallen“ wolle man um jeden Preis, sind sich Bernd und Markus einig. Schließlich sei es für uns alle enorm wichtig, dass Problemstoffe wie Säuren, Medikamente und diverse Öle, mit der größten Sorgfalt und Umsichtigkeit behandelt werden. Jede Woche werden acht Sammelstellen im gesamten Stadtgebiet, für jeweils ca. 1 1/2 Stunden, angefahren. Seit 2013 wurde die Zahl der Standorte von 50 auf 65 im gesamten Stadtgebiet erhöht. Das heutige Jagdgebiet des Giftmüllexpress befindet sich im Westen von Graz, in der Burenstraße in Wetzelsdorf.

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Im Bereich der Kreuzung mit der Handelsstraße stellen wir uns für die nächsten zwei Stunden ab und legen uns auf die Lauer. Wir müssen auch nicht lange warten, ein erster „Giftmüll-Gast“ hat uns bereits entdeckt. Ein älterer Herr möchte zwei Säcke mit Altbatterien bei uns entsorgen. Alles kein Problem, nimmt sich Markus der Sache an. Fein säuberlich wird der gesamte Inhalt in die dafür vorgesehen, dunkelblauen Behälter entleert. Übrigens: Geschäfte, die Batterien und Akkus verkaufen, sind auch verpflichtet diese kostenlos zurückzunehmen! Während Markus am sortieren ist, erfahren wir von Bernd näheres zur Weiterverwertung von Problemstoffen – quasi Details aus dem letzten Lebensabschnitt von Giftmüll. Aber nicht jeder Art von Giftmüll wird für alle Zeit der Garaus gemacht. Hier kommt dann die Wiederverwertung ins Spiel. Besonders sinnvoll ist die Sammlung von Speise-Altöl. Dieses findet sich, nachdem es gesammelt wurde, als Biodiesel in Straßenverkehr eine umweltfreundliche Verwendung.

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Nächste Station des Jagdtrupps ist eine Apotheke in Eggenberg. Hier hat es das Giftmülltrio auf pharmazeutische Problemstoffe und von Kunden retournierte, abgelaufene Medikamente abgesehen. Diese Stoffe werden nach dem Einsammeln direkt in die zentrale Problemstoffsammelstelle am Neufeldweg gebracht und werden umgehend in einer dafür genehmigten Anlage verbrannt. Aber warum verbrannt? „So können wir ausschließen, dass diese zweckentfremdet Verwendung finden!“ erklärt uns Bernd. Schließlich gäbe es Medikamente, die bereits in geringer Dosis weitreichende Folgen für die Gesundheit haben könnten. Und so etwas könne man nicht so einfach entsorgen! Überhaupt ist dieser Job alles andere als Pipifax. Das erkennen wir schon an den Säurehandschuhen, die sich Markus beim Sortieren von Batterien überziehen muss. Gerade bei Altbatterien kann jederzeit Säure auslaufen. Seit neuestem erweitern auch Elektrokleingeräte bis zu einer Kantenlänge von 50 cm das „Entsorgungssortiment“. Überhaupt ist die Bilanz des Giftmülltrios eine durchaus beeindruckende: Fast 60 Tonnen Problemstoffe wurden im Jahr 2013 entsorgt, davon entfielen allein auf den Giftmüllexpress mehr als 21 Tonnen. Von den Apotheken wurden in Form von Pillen, Tabletten und Salben mehr als 15 Tonnen „beigesteuert“. Zwei Stunden später sind wir etliche Kilos an Problemstoffen, aber auch einiges an Wissen zum Thema schwerer. Bernd und Markus fahren mit ihrem Giftmüllexpress zur nächsten Station an diesem Tag an die Ecke Josef-Bayer-Gasse/Ecke Peter-Rosegger-Straße, wie immer auf der Jagd nach dem perfekten Giftmüll.

Fotos und Video: Emanuel Droneberger / Holding Graz

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