Peter begutachtet eine marode Waschmaschine
 
 
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Sie nannten ihn “Drecksheriff”

Tag für Tag bestimmt der Algorithmus einer Computersoftware den Arbeitsalltag von Peter Meindl. Nein, Peter ist kein Roboter, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut und Mitarbeiter der Holding Graz Services, der bereits seit fünf Jahren im Bereich der Sauberkeitsmessung tätig ist. Peter sagt dem Grazer Schmutz den Kampf an. Sein Ziel? Eine saubere und gepflegte Stadt.

Der Arbeitstag des Drecksheriffs beginnt jeden Wochentag um 6.30 Uhr in der Sturzgasse. Aus seinem Bürofenster kann man bereits die ersten Sonnenstrahlen des jungen Tages erspähen, auf der Wand links des Fensters hängt eine riesige Karte der Stadt Graz. Vollgekritzelt mit hellen, orangen Linien. “Alle Bereiche, in denen ich schon war, wurden von mir markiert. Es ist interessant zu sehen, wo mich der Computer überall hinschickt.” Eine deutsche Software zufallsgeneriert Peters tägliche Ziele, die er dann auf Herz und Nieren überprüft. Heute fährt der Drecksheriff in den sechsten Bezirk von Graz, Jakomini.

Das erste Ziel seiner Route ist die Conrad-von-Hötzendorf-Straße. Mit prüfendem Blick und einem Pocket PC als cleveres Helferlein entscheidet er im Schulnotenprinzip über den Sauberkeitsgrad des Bereiches. Unterschieden wird dabei auch zwischen Kategorien wie der Häufigkeit von Kaugummis, Laub, Blüten, Graffitis oder überlaufender Mistkübel. Eine Passantin bemerkt die scharfe Begutachtung von Peter und fragt stutzig: “Oh nein, müsst ihr hier schon wieder alles aufgraben?” – “Na klar, dieses Mal vergrößern wir diese Straße. Nein, keine Sorge, das war nur ein kleiner Scherz!” Die Dame lacht erleichtert auf. “Solche Späße gehören zum Arbeitsalltag einfach dazu”, schmunzelt Peter, während er fleißig in seinen Pocket-PC tippt.

Müll im Grünen inmitten von Graz

In der sonst sehr gepflegten Arndtgasse erwartet den Drecksheriff ein ungewöhnliches Bild. Neben drei Bio-Mistkübeln findet er eine marode Waschmaschine. Als er sie gründlich mustert, krabbelt ein Tausendfüßler aus ihr heraus. Waschmaschinen zählen zu den „wilden Ablagerungen“. „Hier kann ich maximal eine 3 geben, für eine 5 müsste da schon noch wesentlich mehr Krempel herumstehen“, meint Peter, während er kopfschüttelnd zum Dienstfahrzeug zurückstapft. Für diese Art von Verschmutzung hat der Drecksheriff kein Verständnis.

Als er bei einem Geschäft für Anglerzubehör vorbeifährt, spricht Peter euphorisch über seine größte Leidenschaft, das Fischen. Peter zählt sich eher zu den “Catch and Release”-Anglern, das bedeutet, dass er die Fische nach dem Fang schonend zurücksetzt. Auch heute wird er es sich nach getaner Arbeit an der Mur gemütlich machen und den einen oder anderen Fisch an Land ziehen. Auf einige kurze Bereiche folgt bei geballter Mittagshitze die bislang längste Station des Tages. 240 Meter an Parkplätzen, Baumscheiben, Gehsteigen und Fahrradwegen in der Raiffeisenstraße gilt es zu begutachten. Überwuchernde Pflanzen, besudelte Matratzen und alte Tageszeitungen zieren die Parkplätze. Ein herrenloses Paar Schuhe, verheddert zwischen alten Kupferkabeln, hat auch schon bessere Tage gesehen. Das Resultat sind schlechte bis sehr schlechte Bewertungen.

Peter tippt fleißig in seinen Pocket-PC

Kurz vor Dienstende hat Peter seine letzte Zone begutachtet und abgeschlossen. Ein grünes Häkchen am Display seines Pocket PCs bestätigt das. “Bis auf die Raiffeisenstraße war es heute ausgesprochen sauber. Ich bin sehr verwundert, das erlebe ich nicht oft. Vor allem, wenn man bedenkt, dass heute Montag ist.” Jetzt geht es für ihn hinaus in die Natur zum Fischen. Petri heil, Peter!

Fotos: Lucas Kundigraber / Holding Graz

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2 Kommentare

28/06/2015

Eine Frage: gibts die Müll-App schon? Ich würde gerne die völlige Vermüllung des Aufgangs zum Metahofpark in der Rebengasse – mit Foto – melden!
Herzlichst,
Günter Getzinger

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