Pilotin Anna Flechtner am Flughafen Graz
 
Kevin Griebaum
 
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Flughafen Graz: Eindrücke einer Pilotin

Sympathie hat einen Namen: Anna Flechtner. 24 Jahre jung und ihren Lebenstraum hat sie schon in der Tasche. Als Pilotin kommt sie überall dort hin, wo wir für viel Geld Urlaub machen. Aber das Jetset-Leben hat auch an den schönsten Orten der Welt nicht nur Sonnenseiten. Wir treffen sie am Flughafen Graz.

Alles beginnt natürlich mit der Ausbildung. 2008, gleich nach der Matura (die sie „Abitur“ nennt), hat sie mit der Pilotenausbildung begonnen. Zwei Jahre später war sie fertig, seit 2012 fliegt sie aktiv bei InterSky. Auf die Frage, warum sie eigentlich Pilotin geworden ist und nicht irgendeinen Klischee-Frauenberuf wie Frisörin ergriffen hat, muss sie lachen. „Früher wollte ich Lehrerin werden, aber das Fliegen hat mich schon immer fasziniert. Ich meine, schau dir einmal die Vögel an.“ Sie deutet auf ein paar Krähen – oder sind es Falken) – die über der Runway des Flughafen Graz schweben. „Die fliegen einfach so. Die können das, die haben das im Gefühl. Wir Menschen können das nicht, und trotzdem tun wir es. Wir haben die Naturgesetze so weit erforscht und können sie auch so gut berechnen, dass wir diese schweren Dinger da in die Luft bekommen.“ Ihre Hand schwenkt von den Vögeln in der Luft auf die Flugzeuge neben der Landebahn. Trotz Sonnenbrille erkennt man die Faszination in ihren Augen. Das ist ihr Traum – und den lebt sie.

Pilotin Anna Flechtner am Flughafen Graz

Aber wie das nunmal so ist, hat alles seine Schattenseite. Zwar hat Anna schon einiges von der Welt gesehen, allerdings muss sie dafür auch oft auf Freunde und Familie verzichten. „So schlimm ist das aber gar nicht. Ich komme etwa vierteljährlich in meine Heimat, dann alles unter einen Hut zu bekommen, ist natürlich eine Aufgabe für sich“, lacht sie. Frei nach „willst du gelten, mach dich selten“.

„Nicht so schlimm“, verraten ihre grinsenden Mundwinkel, es gibt nämlich etwas, dass sie an ihrem Beruf ganz besonders gerne hat: „Wenn es im Winter richtig grau ist, du brichst mit dem Flieger durch die Wolkendecke und oben ist strahlender Sonnenschein. Da steigt die Laune gleich mal um 40 Prozent.“ Wieder ein Lachen, als gäbe es nichts, was ihre Stimmung trüben könnte, wenn man über ihren Beruf spricht. Nicht einmal, wenn man brenzlige Situationen anspricht. Auch über die kann sie lachen – immerhin ist ja noch nie was passiert. Unfassbarer Optimismus.

Den spürt man auch, als sie den Nachwuchs-Pilotinnen Mut machen möchte, ihren Traum wahr werden zu lassen. Spontanität und Durchhaltevermögen sind ihrer Meinung nach die wichtigsten Voraussetzungen, die man mitbringen muss. Gleichzeitig will sie aber auch keine falschen Hoffnungen schüren: „Ich würde schon jedem empfehlen, es anzupacken und dran zu bleiben, wenn man es wirklich machen will. Aber es ist halt auch nicht so, dass man mit offenen Armen empfangen wird. Letztens haben sich 500 Kandidaten für einen Job beworben – genommen haben sie zwei.“ Für einen Bruchteil einer Sekunde hätte man glauben können, sie würde nicht strahlen, doch sie fängt sich schnell wieder, als sie davon schwärmt, dass sie als Frau in diesem Beruf keine Probleme mit Akzeptanz oder Respekt hat – und das trotz ihres jungen Alters. „Zickenkriege gibt’s hier nicht. Auch die Männer sind meist sehr professionell und sehen dich als ebenbürtigen Experten im Beruf.“

Von der Aussichtsplattform am Flughafen Graz betrachtet sie ihre KollegInnen. Boardpersonal, Pilotinnen und Piloten, die mit ihren schicken Uniformen und typischen Trolleys in die nächste Maschine steigen. Als selbige schließlich von der Startbahn abhebt, sieht Anna dem Metallvogel noch nach. Man muss nicht in ihr Gesicht schauen, um zu wissen, dass sie sich schon wieder auf ihren nächsten Arbeitstag freut.

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Fotos: Kevin Griebaum / Holding Graz

 


1 Kommentar

30/07/2013

Ein sehr lieber Beitrag :). Zeigt, dass eine gewisse Faszination, Leidenschaft am Beruf, einfach hilft über Sachen hinwegzusehen, die Andere nicht machen würden. Angefangen von Wochenendarbeit, Nachtstunden… Finde es bewundertswert, dass sie sich mit den jungen Jahren schon über diese verantwortungsvolle Position drüber draut. Alles GUTE 🙂 und weiterhin viel Vergnüngen über den Wolken.

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