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Thanatopraxie – für den letzten Augenblick

Er begegnet den Menschen auf ihrem letzten Weg: Hermann Schantl ist Thanatopraktiker und verleiht Verstorbenen ein würdevolles Aussehen. Das ist auch wichtig für Angehörige, die Abschied nehmen möchten.

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Thanatos, der griechische Totengott, wohnt dort, wo Tag und Nacht aufeinander treffen und Atlas das Himmelsgewölbe trägt. Für Hermann Schantl treffen tagtäglich Leben und Tod aufeinander: Seit rund 20 Jahren ist er bei der Bestattung für die Aufnahme von Todesfällen und die Betreuung der Angehörigen zuständig. Daneben kümmert sich Schantl aber als Thanatopraktiker auch um die Verstorbenen.

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Die Thanatopraxie kommt immer dann zum Einsatz, wenn Angehörige sich von ihren Verstorbenen am offenen Sarg verabschieden wollen. Hermann Schantls Tätigkeitsbereich reicht von der kosmetischen Aufbereitung des Gesichts bis hin zur vollständigen Konservierung des Leichnams. Das ist beispielsweise dann vonnöten, wenn der Verstorbene offen aufgebahrt oder in ein anderes Land überführt werden soll. Speziell nach einem gewaltsamen Tod, etwa durch Unfall oder Suizid, spielt die kosmetische Aufbereitung eine besonders wichtige Rolle.

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Als Thanatopraktiker fertigt Hermann Schantl auf Wunsch auch Totenmasken oder Handabdrücke der Verstorbenen an. 30 bis 40 Stunden dauert die Anfertigung eines solchen persönlichen Erinnerungsstücks für die Angehörigen. Ebenso kann er den Fingerabdruck einer Person auf einem Schmuckstück verewigen.

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Auf die Frage, wie es ihm mit der Thanatopraxie gehe, schmunzelt Hermann Schantl. „Das ist eine gute Frage“, meint er dann. „Für mich gehört das zur Normalität. Sterben müssen wir alle einmal.“ Sein Ziel ist es, den Angehörigen einen möglichst würdevollen Abschied zu ermöglichen. „Für die Familien ist es das letzte Mal, dass sie ihre Verstorbenen sehen. Das ist ein Bild, das man nicht vergisst.“ Besonders deshalb ist es wichtig, den Toten ein würdevolles Äußeres zu geben, meint Schantl.

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Die Ausbildung zum Thanatopraktiker hat Hermann Schantl vor sechs Jahren am Anatomischen Institut in Graz absolviert, in über 240 Stunden, berufsbegleitend. In einem halben Jahr lernte er so die nötigen Fertigkeiten, um Verstorbene hygienisch und kosmetisch zu behandeln, Totenmasken und Handabdrücke anzufertigen.

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Bis zu fünfmal pro Woche zieht Hermann Schantl seither seinen weißen Kittel an und überschreitet nicht nur die Schwelle des Behandlungsraums, sondern gewissermaßen auch die Schwelle von der Welt der Lebenden hin zu den Toten. „Wenn ich eine Thanatopraxie durchführe, ist hier niemand anwesend außer mir und dem Menschen, den ich behandle“, erklärt er, „das muss aus hygienischen Gründen so sein.“ Doch mehr noch als um Hygiene geht es ihm um etwas anderes, das ist spürbar: Pietät.

 


3 Kommentare

13/06/2016

Guten Tag!
Ich möchte gerne eine Ausbildung im Bereich “Thanatopraxie” machen und hätte ein paar Fragen an Sie:
1). Gibt es eine Altersbeschränkung im Rahmen der Ausbildung?
2). Wie lange dauert die Ausbildung?
3). Welche Voraussetzungen muss man haben, damit man diesen Beruf ausüben darf?
4). Kosten der Ausbildung
5). Welche Tätigkeiten gehören zur Arbeit?

Ich bedanke mich im Voraus und freue mich über Ihre Antwort!
Liebe Grüße,
Parkash Anjeli

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    13/06/2016

    Hallo Anjeli,
    bitte wende dich dafür direkt an unsere KollegInnen von der Bestattung:
    bestattung@holding-graz.at oder Tel.: +43 316 887-2800
    Beste Grüße!

    Antworten
13/06/2016

Supper, vielen lieben Danke Herr Griebaum!

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