Alexander Fünck
 
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Wenn der Müllmann zweimal klingelt

Der Morgen graut, schlaftrunkene Tauben suchen zwischen den Pflastersteinen nach Essbarem. Von weitem vernehme ich ein näher kommendes Motorengeräusch und auf den Hausfassaden spiegelt sich plötzlich ein greller werdendes, gelb-blitzendes Licht. Es ist knapp 7 Uhr und mit jeder Sekunde steigt meine Nervosität; was wird mich in den kommenden Stunden erwarten? Ich wurde eingeladen, die Kollegen der Restmüllabfuhr der Holding Graz Services Abfallwirtschaft bei ihrer herausfordernden Tätigkeit zu begleiten. Doch nicht nur das! In eine grellgelbe Arbeitsmontur mit Sicherheitsschuhen, Jacke, Hose und Holding-Basecap gehüllt, werde ich mich selbst als „Müllmann“ versuchen. 

Online Redakteur Alexander kippt die Mülltonne in den Holding Müllwagen

Kurze Zeit später, nachdem ich Frank den „Entleerer“ und Martin den Fahrer begrüßt habe, finde ich mich bereits mit verkrampften Händen auf dem Trittbrett des anfahrenden Müllwagens wieder. Mein Arbeitsplatz für die kommenden Stunden. Viel Zeit um sich kennenzulernen bleibt nicht. Dutzende Mülleimer harren bereits auf Gehsteigen, in Hausfluren, Kellerräumen und Hinterhöfen ihrer Entleerung. Unsere Tour beginnt im Bereich des Joanneumringes, das heißt mein Teil der Tour, der Trupp selbst ist schon seit 6 Uhr unterwegs. Ein weiterer Kollege, Dominik, hat bereits vor unserem Eintreffen zahlreiche Mülleimer aus den Hausfluren gezogen. Gerade in diesem Teil der Altstadt stellt es eine besondere Herausforderung dar, die Eimer aus verwinkelten Kelleräumen, oft über viele Stufen und sieben Ecken auf die Straße zu bekommen. Frank, neben mir der zweite „Trittbrettfahrer“, zeigt mir rasch einige Handgriffe und schon kann ich meinen ersten Abfall erfolgreich im Rachen unseres Mülldrachens verschwinden lassen. Der Vorteil unseres Modells: Es handelt sich dabei um einen „Selbstentleerer“. Das heißt, sobald man den Mülleimer in der richtigen Position zum „Greifer“ stellt, wird er automatisch angehoben und entleert. Bei den älteren Modellen muss man noch per Handhebel nachhelfen. Stellt man allerdings den Mistkübel nicht richtig zum Greifer, kann es passieren, dass er falsch angehoben und im schlimmsten Fall nicht nur der Müll im Inneren des Wagens verschwindet…

Online Redakteur Alexander schleppt eine Mülltone durch ein enges Innenstadtstiegenhaus.

Wenig später haben wir den Franziskanerplatz im Herzen der Altstadt erreicht. Hier zeigt mir Frank einige besonders schwer zugängliche Müllräume. Auf ein barockes Eingangstor folgt ein schmaler Hausflur über den wir eine kleine Metalltüre erreichen: Kopf einziehen ist angesagt! Gleich danach geht es über eine dunkle Steintreppe in den Gewölbekeller. Hier atmet jeder Ziegel Grazer Stadtgeschichte, doch leider bleibt keine Zeit um sich genauer umzusehen. In einer finsteren Ecke ertaste ich zwei Mülltonnen, welche wir – um nicht zu viel Lärm zu verursachen – teilweise anheben müssen. Über die Stufen in den Flur und dann auf die Straße hinaus – gar nicht so einfach mit einer vollen Tonne. Mein Respekt vor den Kollegen wächst mit jeder Minute, das hätte ich mir einfacher vorgestellt. Zwei Häuser weiter gilt es eine Art Hühnerleiter zu überwinden, schon ohne meinen schwarzen Kunststofffreund im Schlepptau eine wackelige Angelegenheit! Langsam macht sich eine gewisse Erschöpfung in mir breit. Jede Tonne – ob bis zum Bersten voll oder halbleer – macht es mir schwerer, sie beginnen sich scheinbar zu „wehren“…

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Bei einer kurzen Rast erzählt mir Frank, dass er erst seit fünf Monaten dabei ist und in dieser Zeit bereits sieben Kilo abgenommen hat. Im Job zu mehr Fitness also? Zeit zum Naschen bleibt zumindest im Dienst keine, gute Kondition ist in jedem Fall erforderlich. Das Gebiet unseres Trupps erstreckt sich von der Erzherzog-Johann-Brücke im Norden bis nach Thondorf im Süden. Als absolutes Highlight unserer Tour bleibt mir ein Kellerzugang in der Leitnergasse in Erinnerung. Die Höhe des Zuganges misst geschätzte 80 cm und ist – zumindest für mich – nur auf allen vieren zu durchqueren. Frank ist dabei schon geübter und muss nicht über den Gehsteig kriechen. In der nächsten Gasse endet auch mein Ausflug in die Welt der Müllentsorgung und schon nach wenigen Stunden wurde mir bewusst: Müllmann ist vielleicht für die meisten kein Traumjob, mit Sicherheit aber ist es eine anstrengende und vor allem wichtige und herausfordernde Tätigkeit im Sinne unserer Gesellschaft – für mich in jedem Fall ein nachhaltiges Erlebnis!


Fotos und Video: Kevin Griebaum / Holding Graz
Musik: PilotK – Buffalo

Hier gibts näheres zum Thema:

 


2 Kommentare

08/11/2013

Vielen dank fürs dabei sein und für euren einsatz! Ist euch super gelungen (find halt ich)!!!!
Wenn ihr euch beruflich verändern wollt seid ihr bei mir herzlich willkommen!!!

Glg Martin (der Fahrer)

Antworten
    09/11/2013

    Hallo Martin! Besten Dank für das Angebot und einen gelungenen Tag mit Euch, war für uns sehr spannend! Lg Alex

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