Karin Hirschmugl
 
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Anti-Aging für die Wasserleitungen

Als Chirurg kann man manchmal sehr aufwändig operieren und einen Körperteil in alle Einzelteile zerlegen, man kann aber auch minimalinvasiv arbeiten, das heißt mit einem sehr geringen Aufwand. Ähnliches passiert auch gerade in der Petersbergenstraße, wo auf einer Teilstrecke von rund einem Kilometer die Wasserleitung erneuert wird.

Vor 146 Jahren wurden in Graz die ersten Wasserleitungen verlegt. Mittlerweile sind 98 Prozent des Grazer Stadtgebiets von der Wasserversorgung erschlossen. Deshalb steht längst nicht mehr der Neubau von Wasserleitungen im Mittelpunkt, sondern die Sanierung. Das funktioniert jetzt auch immer öfter mit grabungsarmen Technologien. Der Vorteil? Weniger Baumaßnahmen und somit auch weniger Verkehrsbehinderungen, weniger Lkw-Transporte und dadurch weniger Umweltbelastung, weniger Lärm, Staub und Abgase und somit weniger Belästigungen für die AnrainerInnen. Und last, but noch least, sind die Arbeiten mit dem grabungsarmen Verfahren deutlich günstiger.

Weniger Aushub, weniger Belästigung

In der Petersbergenstraße wurden in den vergangenen Jahren bereits Wasserleitungen mit einer Länge von rund einem Kilometer mit der sogenannten Berstlining-Methode saniert, derzeit wird der zweite Kilometer fertig gestellt. Martin Stoff von der Graz Wasserwirtschaft ist der Projektleiter, Gerhard Ofner ist der verantwortliche Techniker dieser Baustelle.

Bei einer derartigen Baustelle fallen für gewöhnlich 1.500 Kubikmeter Erdreich an, die – bei einer herkömmlichen Bauweise ­– aus der Künette ausgegraben und weggeführt werden müssen. Mit der grabungsarmen Bauweise sind es nur rund 600 Kubikmeter, rund 220 Lkw-Fahrten werden dabei eingespart.

Beim grabungsarmen Verfahren „Berstlining“ wird die alte Rohrleitung aufgebrochen und in den umgebenden Baugrund verdrängt. Die Kraft kommt hydraulisch über ein Gestänge, damit wird zuerst der Berstkörper durch das alte Rohr gezogen und zerstört es.

Gleichzeitig wird ein neues Rohr mit gleicher oder gar noch größerer Nennweite eingezogen. Über eine Länge von gut 120 Meter werden die neuen Rohre mit einer Zugkraftüberwachung eingeschoben.

Martin Stoff hat sowohl für die Mitarbeiter der bauausführenden Unternehmen als auch für AnrainerInnen großes Lob: „Wir haben alle rechtzeitig informiert und das Interesse an diesem Bauverfahren ist groß. Die AnrainerInnen sind natürlich auch begeistert, wie wenig sie von den Bauarbeiten an der Wasserleitung gestört werden.“

Grabungsarme Leitungserneuerung in der Petersbergenstraße

Die Sauberkeit steht im Vordergrund

Natürlich müssen die 45 Häuser auch während der Arbeiten mit Wasser versorgt werden, das funktioniert über eine Ersatzleitung, die mit einem Hitze-Spüllauf ausgestattet ist – dieser verhindert, dass sich das Wasser in der Sommermonaten aufheizt, sondern gut gekühlt und frisch an die AbnehmerInnen kommt.

Auch bei den Sanierungen der Wasserleitungen liegt der Fokus auf der Hygiene, erzählt Martin Stoff: „Die Schutzvorrichtungen auf den Rohren werden erst kurz vor dem Zusammenschweißen der Rohre entfernt. So verhindern wir, dass Schmutz in die Rohrleitungen kommt.“

Und auch, wenn die Baustelle fertiggestellt ist, kommen noch einmal die Experten aus dem Wasserlabor der Wasserwirtschaft Graz groß zum Einsatz: Zunächst werden die Rohre ein bis zwei Stunden gespült, dann verbleibt Wasser in den Rohren. Dieses sogenannte „Stehwasser“ wird nach 24 Stunden im Wasserlabor unter die Lupe genommen. Und erst, wenn es dort für einwandfrei erklärt wird, kommt das Wasser über die neu verlegten Rohre zu den AnrainerInnen.

In der Petersbergenstraße wird es im Oktober soweit sein.

Fotos: Emanuel Droneberger

 


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