Dieter Demmelmair
 
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Badeschluss in Straßgang: Die letzte Stunde eines tollen Sommers

Die letzte Stunde eines langen Sommers: Wir waren dabei, als im Bad Straßgang für heuer endgültig die Lichter ausgingen. Na ja, nicht so ganz …

“Betriebsleiter” – ein Job, der klingt, als würde man da im Büro sitzen und überwiegend delegieren und überwachen. Mag sein, dass das anderswo so ist – aber im Bad Straßgang ist genau das Gegenteil der Fall. Bojan Purgaj ist Betriebsleiter des Bad Straßgang – und damit auch Bademeister, Rasenmäher, Reinigungskraft, Gärtner und noch viel, viel mehr.

Denn der gebürtige Slowene ist – so wie sein Stellvertreter Andreas Peissel, ein “Mann für alle Fälle” im Freibad mit der größten Wasserfläche in ganz Graz. Wir haben die beiden Männer, denen ihr Job sichtlich viel Spaß bereitet, in der letzten Stunde des letzten Badetages (Sonntag, 8. September) besucht. Und dann gemeinsam das Bad geschlossen.

17 Uhr: Badewetter schaut anders aus. Lucie Vaskova, die in den nächsten Wochen das Team der Schöckl Seilbahn verstärken wird, sitzt einsam und verlassen an der Kasse des Bad Straßgang. Badegäste sucht man vergeblich – kein Wunder, es hat gerade mal 16 Grad und ist fast so finster, als würde gleich die ohnehin nicht sichtbare Sonne untergehen. Im Raum der Badeaufsicht ist ein bisschen mehr los – und es regiert die Wehmut.

Johann Fürntrath nimmt – beruflich – Abschied vom Straßganger Bad.

Drei Leute sind es, die ich dort treffe. Einer davon sagt gerade für immer “Auf Wiedersehen!” – natürlich nur beruflich. Denn für Johann Fürntrath endete ein langes Arbeitsleben, in dem er in den letzten fünf Saisonen als Reinigungskraft und davor auch schon drei Saisonen in der Gastronomie des Straßganger Bades gearbeitet hat. “Ein gutes Gefühl” verspürt er gerade. Und natürlich werde er “sehr gerne” privat wieder vorbeischauen.

Das ist aber erst 2020 wieder möglich – denn noch bleiben nur mehr 30 Minuten bis es “Badeschluss für heuer!” heißt. Andrej Jeler ist der einzige Bademeister (korrekt: Mitarbeiter der Badeaufsicht), der noch im Dienst ist. Jetzt gerade ist es ein sehr einsamer Job – Badegäste sind keine da. Kein Wunder, bei rund 16 Grad Außentemperatur und an einem (Sommer-)Tag, an dem das Wasser wärmer als die Luft ist (21,8 Grad). “Aber es waren trotzdem so 10 bis 15 Leute heute da”, erzählt Jeler, der im Winter über im Auster Sportbad als Bademeister werkt.

Kein Badewetter – das bedeutet auch kein Gastrowetter …

Es gibt sie nämlich, die ganz Harten, die Unerschrockenen, die auch dann, wenn unsereins höchstens in die Badewanne steigt, noch das Freibad aufsuchen. “Aufgrund unserer Beckengröße (120×90 Meter, Anm.) kommen auch die Triathleten gerne zu uns zum Training. Die springen dann halt im Neoprenanzug ins Wasser”, weiß Purgaj.

Jetzt sind es nur noch wenige Minuten, bis quasi der letzte Vorgang fällt. Purgajs Stellvertreter Peissl freut sich ganz besonders darauf – denn er geht jetzt für drei Wochen in den Urlaub. Danach wechselt er als Saunameister ins Auster Wellnessbad. Das wird auch Purgaj tun. Doch bis es so weit ist, hat er noch jede Menge in Straßgang zu tun. “Im September bin ich jeden Tag und 40 Stunden die Woche da, im Oktober noch 20 Stunden pro Woche. Ich werde noch mehrmals mit dem Rasenmähertraktor unterwegs sein, muss die Grünflächen von Blättern befreien, Reinigungsarbeiten durchführen und alle Armaturen, etwa an den Duschen, abschrauben, damit nichts einfrieren kann. Und dann muss natürlich auch das Wasser abgelassen werden.”

Die Enten im Bad können sich nun auf geruhsame Wochen freuen …

Rund 10 bis 15 Zentimeter Wassertiefe behält man den Winter über. “Ich komme dann so zweimal monatlich her, schaue, ob alles passt”, so Purgaj. Der Sommer, der hat auf jeden Fall gepasst – “es war ein Supersommer, das Wetter war toll. Und am meisten gefreut hat uns alle, dass wir immer wieder Lob dafür bekamen, dass unser Wasser so kristallklar ist!” 

Auch an nicht ganz so schönen Tagen: “Ich liebe es, hier zu arbeiten”, sagt Andreas Peissel.

Kristallklar ist auch für Peissel, was der schönste denkbare Arbeitsplatz ist. “Meiner – wenn man da ganz in der Früh an einem schönen Tag über die Wasserfläche auf die Berge dahinter blickt, dann ist das einfach großartig!” Und dann sind da noch die Tomaten, die in einem Trog in der Wiese wachsen – zur freien Entnahme für die Gäste. “Da bediene ich auch mich gerne – wenn du bei großer Hitze ein paar Runden ums Becken gedreht hast, schmeckt so eine Tomate besonders gut”, lächelt Peissel.

Das gibt es auch nur in Straßgang: Kostenlose Tomaten für Badegäste!

18 Uhr: Jetzt ist es so weit. Purgaj holt den Schlüssel und sperrt zu. Mit einem Lächeln im Gesicht. Weil er und sein Team auch heuer wieder tausenden Menschen großartigen Badespaß ermöglicht haben. Es ist kein Tag wie jeder andere – aber jeder hier freut sich darauf, wie Paulchen Panther (“Der rosarote Panther” sagen zu dürfen: “Heut’ ist nicht alle tage, ich komme, wieder, keine Frage!” 

Wir freuen uns darauf – und tausende Badegäste auch!   

 

  

              

 


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