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Dieter Demmelmair
 
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Ein rockiger Klang beim allerletzten Gang

Rolling Stones & Rossini, lustige Lieder und traurige Titel: Wir fragten Grazer Musiker, welches Lied bei ihrem Begräbnis erklingen soll.

Am Freitag ist Allerheiligen – halb Graz wird sich wieder auf den Friedhöfen unserer Stadt einfinden und der Verstorbenen gedenken. Und vielleicht wird der eine oder die andere FriedhofsbesucherIn darüber nachdenken, wie sein/ihr letzter Gang aussehen soll. Auch Grazer Musiker machen sich darüber Gedanken – zumindest, nachdem sie von uns kontaktiert wurden. Denn wir wollten von ihnen wissen, welches Lied bei ihrem Begräbnis als letzter musikalischer Gruß erklingen soll.

Begonnen haben wir bei den Mitgliedern von „Solo zu Viert“. „Die Rolling Stones machen den Soundtrack zu meinem Leben“, sagt Benji Hassler. Folgerichtig wünscht er sich einen Stones-Song zum Abgang, der ihn, so meint er schmunzelnd, ganz treffend beschreiben würde: „Saint of Me“. Im Refrain heißt es da: „You‘ll never make a saint of me“ – übersetzt: „Du wirst niemals einen Heiligen aus mir machen“. Und dann wünscht sich Hassler noch einen zweiten „programmatischen“ Song: „G’spritzt auf a Halbe“ von „Solo zu Viert“ – „da soll dann auf mich angestoßen werden!“

Bandkollege Uwe Hölzl wünscht sich „etwas Lustiges“, zum Beispiel „Always Look on the Bright Side of Life“ (Monty Python) aus dem Film „Das Leben des Brian“. Denn: „Da ich gute Satire liebe, kann ich mir vorstellen, dass das ein schöner Abschluss und Abschied meinerseits wäre!”

„Ich hasse Begräbnisse mit getragener Musik“, so Horst Klimstein. Folgerichtig wird ihn ein Song der Brachialrocker „Rammstein“ auf dem letzten Weg begleiten. „Feuer frei“ heißt der Song – „weil dieses Lied energetisch und rhythmisch meinem Naturell entspricht, andererseits weil ich ein letztes Mal ein Lachen bei den ,Zusehern‘ hervorrufen möchte in Anbetracht dessen, dass ich mich
einäschern lasse.“

Im Gegensatz zu seinen Bandkollegen konnte sich Chris Watzik nicht auf ein Lied festlegen. „Auf jeden Fall soll es kein trauriger Song sein, denn der Begräbnistag soll kein Trauertag sein, sondern zu einem letzten Fest werden.“

„OPUS“-Mastermind Ewald Pfleger muss erst noch arbeiten, bis sein letzter Song erklingen kann – im wahrsten Sinne. „Denn den muss ich erst schreiben“, so Pfleger.

Bereits geschrieben hat ihn dagegen Singer/Songwriter Leo Aberer. „Mein Abschiedslied wird
,Won´t you Know‘ werden. Im Song geht es um mein Begräbnis, im Video werde ich auch zu Grabe getragen und singe danach im Himmel. Ich möchte, dass auf meinem Begräbnis gelacht wird. Es soll eine Party sein. Ich sehe den Tod nicht als Abschied, sondern als Beginn eines anderen Leben.“

Eno Zajic, der in der Grazer Band „Offroad“ die Gitarre schwingt, auf die Frage nach dem letzten Lied: „Möglicherweise wird es erst geschrieben. Aber wenn es jetzt schon so weit sein sollte, dann wünsche ich mir ,Take me Home‘ von Joe Cocker. Der Song hat etwas Beruhigendes, kann die Hinterbliebenen trösten, dass wir ,auf der anderen Seite‘ wieder zusammentreffen.“

„Einen habe ich noch“ pflegt Otto Waalkes immer zu sagen – wir haben noch zwei letzte Songs zweier Künstler, welche uns von den Autoren des Buches „Das letzte Lied“ (siehe unten) zur Verfügung gestellt wurden: Georg Altziebler („Son oft he Velvet Rat“) wünscht sich „Rainy Day Woman #12 & 35“ von Altmeister Bob Dylan.

Noch älter ist, was sich Boris Bukowski wünscht. Der Mann mit der unverwechselbaren Stimme wünscht sich die Ouvertüre zur Oper „La gazza ladra“ („Die diebische Elster“) von Gioachino Rossini – und zwar in der Fassung der Berliner Philharmoniker unter Herbert von Karajan.

Das Buch zum Thema: “Das letzte Lied” (W. Kühnelt/W. Pollanz)

Das steirische Autorenduo Wolfgang Kühnelt und Wolfgang Pollanz veröffentlichte vor fünf Jahren ein Buch zum Thema. In “Das letzte Lied” verraten prominente heimische KünstlerInnen und Medien-Menschen, welcher Song bei ihrem letzten Gang erklingen soll. Sie tun das sehr ausführlich und auf berührende, manchmal aber auch zum Schmunzeln anregende Art.

Zum Wort kommen im Buch u. a. Schauspieler Johannes Silberschneider oder Kollegin Pai Hierzegger. Bestellen kann man “Das letzte Lied” auf der Verlagshomepage oder via Amazon!

Anm.: Dieser Beitrag erschien in ähnlicher Form bereits im Jahr 2014 in der Zeitung WOHIN (nun FUTTER) und an dieser Stelle. 

 


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