Dieter Demmelmair
 
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In der “Unterwasserwelt” der “Auster” steht ein riesiger Bahnhof …

Schon mal Probleme gehabt, eine Gebrauchsanweisung zu verstehen? Ich schon! Und das war auch der Grund, warum ich im Keller der “Auster” einen riesigen Bahnhof vorfand. Zumindest habe ich (fast) nur Bahnhof verstanden.

Im Eingangsbereich der “Auster”, unseres tollen Sport- und Wellnessbades, sieht man an diesem Mittwoch glückliche und zufriedene Gesichter. Die glücklichen gehören zu jenen Wasserratten, die das Bad gerade betreten. Die zufriedenen zu jenen, die es verlassen.

Glücklich und zufrieden – beides trifft auf Jürgen Zimmermann zu, als er Kollegin Pia Puswald und mich begrüßt. Denn dem stellvertretenden Technik-Chef der “Auster” macht sein Job sichtlich Spaß. Hinter die Kulissen der “Auster” zu schauen, das war unser Ziel. Herauszufinden, was es ermöglicht, dass man auch im Winter ungetrübten Badespaß im Vorzeigebad in der Janzgasse genießen kann. Nun – so viel vorab: Für einen Menschen wie mich, der von großem Technik-Verständnis ungefähr so weit entfernt ist wie ein Nichtschwimmer vom Gewinn eines Schwimm-WM-Titels, war der Gang in den Keller der “Auster” in etwa wie der Gang durch einen riesigen Bahnhof – mit Techniker Zimmermann als (Vize-)Bahnhofsvorstand.

Aber zum Glück muss man nicht alles verstehen, was man so (mit)schreibt – drum ist dieser Blog jetzt auch nicht zu Ende, sondern beginnt erst. Und zwar im Keller. Denn dort schlägt das Herz der “Auster” – und auch jenes von Jürgen Zimmermann schlägt dort sichtlich höher. Denn der gelernte Elektroinstallateur ist im “Unterwasserbereich” der “Auster” voll in seinem Element. Wenn er etwa die meterhohen Filteranlagen erklärt, die aus dem via Beckenüberlauf abfließenden Badewasser wieder sauberes Wasser machen, dann merkt man: Der Mann kennt sich nicht nur aus bei dem, was er tut – er mag auch, was er tut. (Übrigens:Es ist Quarzsand, der die Hauptarbeit beim Filtern erledigt. Und es sind Niederdruckfilter).

Weiter geht es durch endlos scheinende Gänge.Und immer hart am Beckenrand entlang – denn das Becken selbst ist nicht unterkellert, aber alle Bereiche davor, daneben und dahinter. Endlos lange Rohre sieht man da, und von jedem weiß Zimmermann, was da warum durchfließt. Weiter geht es in ein weiteres Herzstück – zu den Heizungssystemen. Eine Niedertemperaturheizung versorgt das Sport- und das nun im Winterschlaf befindliche Freibad sowie den Fußboden, eine Hochtemperaturheizung wärmt den Wellnessbereich und das Lehrschwimmbecken.

Zimmermann und seine fünf KollegInnen haben hier unten vor allem viel zu kontrollieren. Und dazu kommen halt noch alle anderen handwerklichen Tätigkeiten, die nur von Technikern erledigt werden können. “Langweilig wird uns sicher nicht”, sagt Zimmermann. Und: “In unserem Job gibt es viel Abwechslung!” Die “Auster” hat täglich von 7 bis 22 Uhr geöffnet – Zimmermann und Kollegen sind sogar schon ab 6 Uhr früh (bis 14.30 Uhr) oder, in der Nachmittagsschicht, bis 22.30 Uhr (ab 14 Uhr) im Bad.

Dann führt uns Zimmermann ins Freie zum Chlorlager, welches – aus nachvollziehbaren Gründen – u. a. durch eine Sicherheitstür gesichert ist. Tritt dort auch nur ein bisschen Gas aus den beiden je 1.000 Kilo Chlor fassenden Tanks aus, kann der Raum nur mehr mit Gasmaske betreten werden – denn dann herrscht Lebensgefahr. Rund zwei Monate kommt man im Winter damit aus, im Sommer nur halb so lange.

Stichwort “Gefahr”: Die hat das Personal der “Auster” auch gleich erkannt, als Kollegin Puswald zum Fotografieren das gesperrte Areal des Freibades betrat. Eine Angestellte der Verwaltung der “Freizeit Graz” sah sie vom Büro aus und alarmierte umgehend einen Bademeister, der sogleich zur Tat schreiten wollte – bis er auf Zimmermann und mich traf …

Am Ende standen wir alle wieder glücklich vereint – und durchaus staunend – vor dem großen Schwimmbecken des “Sportbades”. Und Zimmermann verrät mir dabei noch etwas: Wird das Schwimmbecken im Rahmen der jährlichen Revision ganz ausgelassen, braucht man für die Wiederbefüllung (3.500 Kubikmeter Füllmenge) rund eineinhalb Wochen!

Und hier noch ein paar beeindruckende Zahlen:

  • 4.500 BesucherInnen fasst das gesamte Bad (inkl. Freibad!)
  • 1.481 Kästchen gibt es
  • 16 Megawatt Fernwärme werden pro Tag verbraucht
  • 8 Megawatt Strom werden pro Tag verbraucht

 

 

 

 

 


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