Dieter Demmelmair
 
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Jakominiplatz-Rondeau: Unter der Kappe steckt die Leidenschaft

Jeder Grazer, jede Grazerin kennt es – das Rondeau am Jakominiplatz. Aber was verbirgt sich denn in dem runden Pavillon? Wir haben nachgeschaut! “Entschuldigung! Zum Schloss St. Martin – fährt da der 31er?” Ich bin gerade erst ein paar Sekunden da. Ein freundliches “Ja, genau. Die Haltestelle befindet sich genau vor der Türe!” kommt als Antwort. “Das ist eine unserer Haupttätigkeiten hier. Wir geben Auskünfte, geben Fahrplaninfos, verraten, wie man am besten von A nach B kommt –  und noch viel mehr”, erzählt Christian Pirker. Er ist stellvertretender Leiter der Verkehrsaufsicht und der mit ihr zusammenhängenden Funkleitstelle der Graz Linien.

Und schon bei den ersten Sätzen merke ich: Der Mann liebt seinen Job. Und das kann man nicht nur spüren, sondern auch sehen. Denn Pirker trägt eine Kappe, so wie es in längst vergangenen Zeiten die FahrerInnen der Graz Linien (damals noch Grazer Verkehrsbetriebe/GVB) auch trugen. “Ich trage die einfach gerne und aus Überzeugung.” Nachsatz: “Und ich kann damit auch mein schütteres Haupthaar ganz gut verbergen”, schmunzelt er im Nachsatz.

Während die gut gelaunten Mitarbeiter im Rondeau weiterhin telefonisch und von Angesicht zu Angesicht Informationen geben, führt mich Pirker aus dem für alle zugänglichen Bereich in jenen Teil des Rondeaus, den nur MitarbeiterInnen der Graz Linien betreten können. Wir gehen in den ersten Stock rauf. Dort, in einem größeren Raum, sitzen jene MitarbeiterInnen der Graz Linien, die Bereitschaftsdienst haben und etwa dann zum Einsatz kommen, wenn plötzlich ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden muss oder eine Fahrerin/ein Fahrer plötzlich erkrankt.

Zu tun haben die MitarbeiterInnen im Rondeau genug. Auch Fundgegenstände aus Bussen und Straßenbahnen werden bei ihnen abgegeben, ehe sie am Tag danach ins städtische Fundservice gebracht werden. “Schirme, Handschuhe, Hauben, Schlüssel und seltener Geldtaschen oder Handys – sie landen alle hier”, so Pirker. “Und sogar einen Kinderwagen hatten wir schon einmal bei uns!” Nachsatz: “Ohne Kind …”

Im öffentlich zugänglichen Bereich stehen auch mehrere PC-Bildschirme, auf denen man die einzelnen Busse und Straßenbahnen sieht und deren Abweichungen vom Fahrplan. Wenn alles im sprichwörtlichen “grünen Bereich” ist, dann passt es – bei meinem Besuch hat es ganz gut gepasst, wie man am Foto oben sieht.

Wenn es mal nicht passt, dann können auch Unfälle der Grund dafür sein. Dann rückt Pirker oder einer seiner Kollegen aus – und zwar mit dem am “Jako” geparkten Dienstfahrzeug. “Wir machen dann oft die komplette Unfallabwicklung unsererseits, fertigen Fotos an und vieles mehr. Da ist man dann schon einmal bis zu zwei Stunden unterwegs”, so Pirker.

Von 4.30 Uhr in der Früh – manche sagen auch noch Nacht dazu – bis 23.30 Uhr ist das Rondeau besetzt. Gearbeitet wird in vier unterschiedlichen Schichten, man muss also manchmal mitten in der Nacht aufstehen oder kommt manchmal mitten in der Nacht erst heim. “Ich mache das jetzt 10 Jahre”, erzählt Pirker. “Aber an das frühe Aufstehen habe ich mich immer noch nicht gewöhnt!” Ganz in der Früh ist es meist noch recht ruhig im Rondeau, “aber spätestens ab 6 Uhr geht es voll los!” Aber trotz vieler stressiger Momente – Pirker mag seinen Job richtig. “Ich liebe die Abwechslung, du weißt nie, was dich in einer Schicht alles erwartet.”

Wir stehen draußen, beim Dienstfahrzeug, als er das erzählt. Und unser Termin endet, wie er begonnen hat. Zwei ortsunkundige Damen reden Pirker an: “Entschuldigung, wo ist denn hier die nächste Volksbank-Filiale?” Auch das gehört zum Job – zu einem Job, der mit einer großen Portion Leidenschaft verrichtet wird.

 


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