Dieter Demmelmair
 
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Mit dem Linienbus durch den Bauernhof

Ihnen gefällt die ländliche Idylle, sie freuen sich, wenn Sie mal ein Reh sehen und Sie lieben das Tuckern durch schöne Waldlandschaften? Dann empfehlen wir eine Fahrt mit der Linie 48 der Graz Linien. Wir sind schon einmal mitgefahren – und waren begeistert.

Knapp vor 14 Uhr, Dienstag, 15. Oktober, Endstation Gösting: Der 40er kam eben an, nun gesellt sich auch der 85er dazu. Beide Busse lassen mich kalt – ich will nur den Einen: den 48er. Und das kam so: Im August bin ich für eine Reportage in der städtischen BIG die Strecke der neuen Linie 66 abgefahren. Chauffiert von einem “alten Hasen” unter den Graz Linien-LenkerInnen: Willy Höber. Den habe ich gefragt, welche städtische Linie er am liebsten befährt – und wie aus der Pistole geschossen kam da die Antwort: “Die Linie 48. Da fährt man aufs Land, da sind auch die Fahrgäste ganz anders!”

Nicht, dass ich dem Willy Höber nicht glauben würde – aber davon musste ich mich trotzdem auch einmal selbst überzeugen. Und kam zum Fazit: Wo Herr Höber recht hat, da hat er recht. Sogar mehr als das …

Und jetzt sitze ich also da und warte. Mit mir tun das auch rund 30 Schulkinder, allesamt sichtlich UnterstufenschülerInnen. Und schon da bekomme ich eine Vorahnung darauf, dass beim 48er die Uhren etwas anders ticken. Denn dafür, dass so viele Kinder hier sind, ist es erstaunlich ruhig. Das mag auch am Umfeld der Endstation liegen. Der kleine Park namens Löseranlage scheint zum Chillen vor dem Heimfahren geradezu einzuladen. Und auch das unterscheidet die Endstation von anderen: Von hier führen Wanderwege weg.

Und dann kommt er schon, der 48er – gelenkt von Martin Prattes, einem ausnehmend sympathischen Fahrer, dem man eines sofort anmerkt: Er mag, was er tut. Und auf dieser Strecke mag er das noch mehr. “Ich fahre heute schon seit der Früh auf dieser Linie, da war es noch sehr nebelig, aber jetzt ist es einfach traumhaft”, sagt er. Und man merkt: Es ist nicht nur das sonnige Herbstwetter, dass ihn so fröhlich macht.

Eine Dame steigt ein – und begrüßt Prattes mit den Worten: “Ich kenne sie vom 30er!” Das tut sie – denn Prattes ist zwar erst seit einem Jahr Busfahrer bei den Graz Linien, kurvte aber dennoch davor bereits 18 Jahre als Busfahrer durch Graz. “Ich war 18 Jahre lang bei der Firma ,Gersin’ angestellt”, erzählt er. Dieses Unternehmen betrieb bis zum Vorjahr die innerstädtische Linie 30. “Wir waren dort nur wenige Fahrer, hatten viele Stammgäste”, so Prattes. Die Dame zählte wohl auch dazu.

Wobei das mit dem Grüßen auf der Linie 48 schon grundsätzlich anders ist, als auf den städtischen Linien. “Hier passiert es viel öfter, dass man von Fahrgästen beim Einsteigen freundlich gegrüßt wird”, so Prattes. Wir sind mittlerweile losgefahren, fahren die Thalstraße hoch. Noch säumen viele Häuser den Straßenrand – aber nur noch kurz. Dann wird es ländlich – und wir biegen ab, mitten in einen wunderbaren herbstlichen Wald. Als Nicht-Ortskundiger würde man hier, in der Tiefenbachstraße, wohl mit allem rechnen – nicht aber mit einem Linienbus.

Dann geht es wieder durch einen der vielen kleinen Ortsteile von Thal (Winkel), umgeben von Wäldern und Hügeln. Pferde und Kühe sieht man vom Bus aus – nicht die einzigen Tiere hier, weiß Prattes. “In der Morgen- und der Abenddämmerung habe ich auf dieser Strecke auch schon Rehe am Waldesrand gesehen!”

Wir passieren das Ausflugsgasthaus “Kreuzwirt” und kommen dann zu einer Passage, die einzigartig im Liniennetz der Graz Linien ist – und die man wohl auch in anderen städtischen Netzen kaum findet. Wir passieren im Ortsteil Kötschberg eine Hofdurchfahrt, fahren zwischen Wohn- und Stallgebäude durch. Wir sind etwas mehr als zwei Kilometer vom Stadtrand entfernt – und mitten am Land.

Der Bus ist mittlerweile fast leer. Und wir sind auf dem Rückweg – ohne eine Endhaltestelle angefahren zu sein. Auch so ein Unterschied des 48ers gegenüber anderen Linien – er fährt als Rundkurslinie nicht von A nach B, sondern von A nach A …

Unterhalb des Thalersees holen wir noch ein paar Wanderer ab – “an den Wochenenden fahren hier fast nur Wanderer und FußgängerInnen mit”, weiß Prattes. Dann kommen wir in Gösting an. Ich radle ins Büro zurück, Martin Prattes wird aber noch eine Runde mit dem 48er drehen. Und man merkt ihm an: Er freut sich darauf. Und er hat auch allen Grund dazu!

Hier geht es zum Fahrplan des 48ers: https://www.holding-graz.at/tickets/fahrplaene/bus/linie-48.html

 


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