Dieter Demmelmair
 
Teilen:
facebook twitter Google+
 

Öffi-Erlebnisse in Buchform

Die Grazerin Eva Schlegl verzichtet seit Jahren auf ein Auto – und fährt Öffis. Darüber hat sie ein Buch geschrieben.

Seit neun Jahren lebt die gebürtige Grazer Autorin Eva Schlegl ganz bewusst ohne eigenes Auto. Stattdessen nutzt sie intensiv Bim, Bus, S-Bahn oder Zug. In ihrem Buch „Hin und retour. 101 Fahrten, die im Kopf bewegen“ beschreibt sie in heiteren und auch nachdenklichen Kurztexten wie das so ist mit dem Öffi-Fahren…

Hier zwei der Texte:

Ich war bei Gabie, Gitti und Uschi

Ich bin nicht gehbehindert. Ich habe zwei gesunde Beine und eine Öffi-Jahreskarte. Damit kommt man sehr weit. Seit ich mein Auto verkauft habe, höre ich immer wieder die gleichen Fragen: Wie kommst du dahin? Wie kommst du dorthin? Sollen wir dich holen? Sollen wir dich bringen? Nein, sollt ihr nicht! Ich bin mobil. Auch wenn ich seit mehreren Jahren kein eigenes Auto mehr besitze: Ich bin mobil, ich bin nicht festgewachsen. Ich bin kein Hascherl, das man vor der Haustür abholen und am Ende des Tages wieder dort absetzen muss. Ich komme prächtig voran: Ich nutze S-Bahn, Straßenbahn, Bus, Zug, Fahrrad und meine beiden Beine. Das funktioniert. Seit ich kein eigenes Auto mehr besitze war ich trotzdem im Kino, im Theater, im Museum, im Steakhaus und bei diesem neuen, wirklich guten Franzosen. Ich war bei Gabie, Gitti und Uschi. Ich war in der Schule, beim Friseur und in der Bank. Ich war in der Buchhandlung, beim Arzt und im Kaffeehaus. Ich habe gelacht und geweint, gestritten und geflirtet, gekichert und gegähnt. Ich habe gelebt (und lebe). Ganz normal.

Lawinensicher in der Straßenbahn

Outdoor ist in. Immer mehr Menschen zieht es in ihrer Freizeit raus in die Natur, in die Berge, in die Wildnis. Eh super. Aber müssen sich auch die, die sich in der Stadt bewegen, wie für eine Expedition auf einen 8000er rüsten? Kaum wird es ein bisserl kälter, schützen sich die Städter mit Hightech-Funktionskleidung, wie sie sonst nur auf Himalaja-Expeditionen getragen wird. An einem herkömmliche Wintertag in Graz ist man in Bus und Straßenbahn von Nordpolforschern und Erstbesteigern umgeben. Die moderne City-Jacke des modernen City-Users ist „fiberfill hybrid“, aus „elastischem DryTechTM Premium Laminat“, hat „mikroporöse Beschichtung und eine porenlose Membran“, und sie ist „zonal auf das Körperklima abgestimmt“. Atmungsaktiv und wasserdicht war gestern. Mit den neuen Jacken überlebt man jede arktische Temperatur (in Graz) und steigt aus jeder Lawine (in Graz) unversehrt wieder heraus. Für alle, die das irgendwie verdrängt haben: Graz liegt auf einer Seehöhe von 353 (in Worten: dreihundertdreiundfünfzig) Meter, durchschnittliche Winter-Tagestemperatur: knapp unter 0 Grad, durchschnittliche Schneemenge 0 bis 40 Zentimeter.

Das Buch „Hin und retour. 101 Fahrten, die im Kopf bewegen“ erschien bei Morawa und ist erhältlich als Taschenbuch und als eBook im Buchhandel und Onlinehandel.

(Foto: Katja Schlegl)

 


Kommentar hinzufügen