Karin Hirschmugl
 
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Schöckl-Bahn: Alle Räder stehen still

Zweimal im Jahr geht es auf dem Grazer Hausberg etwas ruhiger zu. Da steht nämlich die Revision an und die Schöckl-Seilbahn wird auf Herz und Nieren überprüft. Derzeit ist es wieder soweit, aber  ab 17. November um 9 Uhr läuft die Bahn wieder wie am Schnürchen.

Die Kabinen rasten in der Berg- und Talstation, unter den MitarbeiterInnen herrscht emsiges Treiben – sowohl zu ebener Erde als auch in der Luft. Es wird kontrolliert, gereinigt und ausgetauscht. 248 Seilrollen verteilen sich auf zwei Wechsellaststützen, einen Niederhalter und sieben Tragstützen – und an all diesen Seilrollen wird bei der Revision mit einer Tiefenlehre gemessen, ob das Gummi-Profil wohl nicht mehr als 7 Millimeter tief ist – sonst muss der Gummi ausgetauscht werden, um mehr als 100 Euro pro Stück. Für diese Prüfung fahren Benjamin Weineis, Michael Stelzer, Gerald Jonke und Gabriele Langmann mit der Revisionskabine los und steigen dann auf die Stütze um.

Betriebsleiter Franz Pinter (unten) schätzt es, wenn es möglichst immer dasselbe Team ist, das die Arbeiten in luftiger Höhe verrichtet, „sie kennen jeden Handgriff und wissen, dass sie gesichert sein müssen“. Derweilen kontrollieren Wolfgang Heinzl und Reinhard Gradwohl in der Umlenkstation im Tal die verschiedenen Lager – falls beim Gehörtest nur das geringste Geräusch zu hören ist, muss das jeweilige Teil getauscht werden. „Revision bedeutet Überwachung und Instandhaltung“, erklärt Pinter, „leider haben nicht alle Fahrgäste Verständnis dafür“. Aber gerade diese Instandhaltung macht den unkomplizierten Betrieb unterm Jahr möglich.

Die 18 MitarbeiterInnen der Schöckl-Seilbahn haben die Sicherheit täglich im Blickfeld, denn die meisten Kontrollen werden sowieso regelmäßig das ganze Jahr über durchgeführt: Täglich vor und nach dem Betrieb gibt’s Kontrollfahrten. Die Stützen samt Schrauben werden einmal monatlich genau unter die Lupe genommen. Die am stärksten belasteten Teile müssen nach der Seilbahnüberprüfungsverordnung bei der Revision zur Kontrolle sogar teilweise abgebaut und zur Begutachtung an den Hersteller geschickt werden oder aber der Hersteller führt vor Ort Kontrollen durch.

Das gilt auch für das Seil: 41 Millimeter dick, 4,2 Kilometer lang, auf einer Länge von 54 Metern und 28 Tonnen schwer sind die Stahldrähte, die einen Kunststoffstab umgeben und die Kabinen tragen.

250 Meter Reserve-Seil zum Spleißen (spezielle Art der Reparatur) lagern im Keller. Den mittlerweile 24 Jahre alten Kabinen sieht man das Alter nicht an: Die Klemmen, die die Kabinen am Seil halten, müssen bei einer Revision einmal pro Jahr zerlegt und auf Haarrisse geprüft werden. Die 500 Kilogramm schweren Kabinen werden laufend gewartet. Schließmechanismen müssen eben immer stimmen, Alarmsysteme melden auch den kleinsten Fehler. Mit neuen Scheiben, ausgeklopften Löchern und generalgereinigt kann man nach der Revision wieder gemütlich hinauf- und hinuntergodeln.

Übrigens:

Wie viele Gondeln losgeschickt werden, wird jeweils in der Früh entschieden: 44, 24 oder 16? An Wochenenden sind es immer 44, unter der Woche meistens weniger.

Der Abstand zwischen den Gondeln muss 108 Meter betragen.

Von den 44 Kabinen sind 4 Rollstuhlkabinen. Zusätzlich gibtʼs 6 Lastenkabinen, eine Revisionskabine, eine Rettungskabine und einen Prüfwagen.

Die Schöckl-Seilbahn legt bei normalen Bedingungen rund 5 Meter/Sekunde zurück.

Bei einer Windstärke von 54 km/h wird der Betrieb eingestellt, weil dadurch Äste auf die Stromleitungen fallen könnten und dann die Stromversorgung unterbrochen wäre.

Für Notfälle (wie beispielsweise bei starkem Wind) gibt es dann einen Notantriebsmotor, der das Seil allerdings mit einer Geschwindigkeit von nur 1 Meter pro Sekunde vorwärts bringt. Das bedeutet: Eine Kabine braucht dann für die 2087 Meter lange Strecke vom Berg ins Tal nicht die üblichen 7 Minuten, sondern mehr als eine halbe Stunde.

Fotos: Joel Kernasenko (2), Stadt Graz/Foto Fischer

 

 

 


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